Utopia Titelbild

 

20 Jahresplan für eine globalisierte Welt 
von Wohlstand, Frieden, sozialer Gerechtigkeit und individuellem Glück für alle.

 

 

 

Danksagung

Bei folgenden Personen, die mir auf die eine oder andere Art bei der Erstellung des Buches geholfen haben, möchte ich mich hier mit ganz herzlich bedanken:
Barbara, Connie, Derek, Dieter, Jürgen, Laila, Moritz, Robert, Senem, Stephan

Verlag: Pro Business Berlin

ISBN: 978-3-86460-415-7

1. Auflage 2016

Preis: 9,90 €

 

 

Inhaltsverzeichnis

Prolog 
Einleitung 
Teil I Utopia – Die Idee
Kurzdarstellung
Philosophische Grundlagen /Ethik 
Parteien/Politik/Staatsform 
Notopia 
Notopialänder 
Wirtschaft 
Arbeit 
- gemeinnützige „Arbeit“ (GA) 
- Mindest“arbeits“zeit (MAZ) 
- private „Arbeit“ (PA) 
- Verhältnis von PAZ und GAZ 
Die persönliche Identitätskarte (PIK) 
Normaladen (Norma) 
Speziladen (Spezi) 
Eigentum 
Mobilität 
Gesundheit/Medizinische Versorgung 
Forschung/Wissenschaft 
Kinder und Erziehung/Schule 
Polizei/Strafverfolgung/Knast/Justiz
Armee 

Teil II Utopia – die Realisierung oder die praktische Umsetzung

Vorbereitungsphase 
Infophase 
Umsetzungsphase 
Nachwehen 

Kritische Schlussbemerkung 

Anhang – Fragenkatalog 

 

Prolog

Ein Tag in Utopia

Es ist Donnerstag der 20. August 2054. Sein Wecker zeigt Herrn Lehmann an, dass es 7.30 Uhr ist. Er ist schon wieder vor dem Wecker wach, was in der letzten Zeit mehr die Regel denn die Ausnahme ist. Alte Menschen brauchen ja bekanntlich weniger Schlaf und mit seinen 100 Jahren gehört er zweifelsfrei dazu.

„Als 141. Land ist heute Bolivien dem Utopiabund beigetreten.“ Bei diesen Worten des Nachrichtensprechers huscht ein Lächeln über Herrn Lehmanns Gesicht und er muss an die Wette mit Lucia denken, wo er behauptete, dass er es noch erleben werde, dass die ganze Welt Utopia sei. Lucia, immer ein wenig pessimistischer als ihr Vater, wettete dagegen und hat dann schuldbewußt – oder war es höchst einfühlsam - Herr Lehmann ist sich da nicht sicher - angefügt, dass sie ihm natürlich ein langes Leben weit über 100 Jahre wünscht. Bei dem Gedanken an Lucia hat er gleich noch bessere Laune als es ihm die Radiomeldung schon gemacht hatte.

Herr Lehmann ruft seinem Technikturm „Musik“ zu und damit sind die Nachrichten beendet und unter alten Rock’n – Roll - Klängen widmet sich Herr Lehmann seinem morgendlichen Gymnastikprogramm.

Bei der Morgentoilette denkt Herr Lehmann an seine Frühstücksverabredung. Karl Schmalmund war ein junger Kollege aus der alten Zeit. Er muss damals – vor Utopia – ca. 20 Jahre jünger als er gewesen sein. Manchmal hatte er ihm eine seiner Stadtführungen gegeben und umgekehrt. Privat hatten sie miteinander nicht viel zu tun. Herr Lehmann kann sich nur noch vage an eine Diskussion erinnern, wo Karl gesagt hatte, er geht auf jeden Fall nach Notopia, weil er von dem neuen System nicht überzeugt wäre und seine Eltern in Notopia ein großes Haus mit Grundstück hätten. – Und jetzt will er sich unbedingt mit ihm – Horst – in Utopia treffen.

„Na, da bin ich ja mal gespannt“, denkt Herr Lehmann und begibt sich in die Küche. Als er fast mit Tischdecken fertig ist, klingelt auch schon Karl Schmalbund. „Na Horst altes Haus, wie geht’s Dir?“, begrüßt er ihn ganz jovial. „Gleich, sag erst mal was Du willst… Kaffee, Latte Macchiato, Tee oder was?“ Karl will einen Latte Macchiato und Herr Lehmann wählt einen Milchkaffee und gibt seinem Küchenautomaten die entsprechenden Befehle. „Ja, mir geht’s sehr gut außer dass es mit der körperlichen Leistung doch sehr den Berg runter geht; besonders die Augen und die Beine… die Arztbesuche werden immer häufiger. Das nervt ein wenig.“ Herr Lehmann wollte das eigentlich noch ein bisschen ausführen und von seiner Arbeit erzählen, aber er hat den Eindruck, dass Karl nicht besonders interessiert zuhört. Er reicht ihm den inzwischen fertigen Latte Macchiato und fragt Karl wie es denn ihm ginge. Herr Schmalmund schien nur auf diese Frage gewartet zu haben, denn es sprudelt nur so aus ihm heraus. Er vergisst dabei sogar das Essen. Im Prinzip ist es ein einziges Klagelied: Die Angst um die Rente, die steigende Kriminalität, die Unsicherheit um die Arbeitsplätze der Kinder, die Angst, die medizinische Versorgung nicht mehr bezahlen zu können, der Drogenkonsum der Enkel, die Angst ins Seniorenheim abgeschoben zu werden, die ständig steigenden Mieten und…und… und…

Wiederholt blickt Herr Lehmann zur Uhr. In diesem Stile geht es jetzt schon eine geschlagene Stunde und es gibt kein Anzeichen, dass das mal aufhören könnte. Herrn Lehmann wird zunehmend unbehaglich zumute. Er kann auch nicht mehr richtig zuhören, weil er versucht rauszukriegen, was ihm das Missgefühl bereitet. – Ja, das ist es! Das alte Leben… die 82 Jahre vor Utopia! Es kommt ihm vor wie in einem alten Film zu sitzen, den er schon hunderte Male gesehen hat. Diese Zeit ist zum Glück vorbei. Aber warum zum Teufel konfrontiert ihn Karl mit dem ganzen Müll der Vor-Utopia-Zeit? Was will er eigentlich von ihm?
Als Herr Lehmann endlich diese Frage an Herrn Schmalmund richtet, bückt der sich vor, guckt suchend in alle Richtungen, räuspert sich und sagt leise aber mit theatralischer Stimme:“Ich überlege, nach Utopia umzusiedeln!“ Herr Lehmann kann mit dem ganzen Getue von Herrn Schmalmund nichts anfangen. Konspiration ist in Utopia quasi ein Fremdwort. Die Zeiten von Stasi, Staatsschutz oder NSA sind schließlich längst vorbei. Und wo täglich hunderte von Menschen die Notopia-Gebiete ihrer Länder verlassen und aus den Notopia-Ländern die Menschen fliehen oder versuchen ihr Land zum Utopiabund-Beitritt zu bewegen, wo es klar wie Kloßbrühe ist bzw. jede*r, der*die eins und eins zusammenzählen kann, weiß, dass es sich in den Utopialändern besser leben lässt, da macht Karl so einen Staatsakt daraus!

Zwar nervt Herrn Lehmann das konspirative Getue von Herrn Schmalmund, aber er lässt sich nichts anmerken und fragt höflich:„Und womit kann ich Dir helfen?“ „Ich habe da noch ein paar Fragen zu Utopia.“ Die nächsten zwei Stunden gibt es das übliche Frage- und Antwortspiel, was Herr Lehmann schon hinlänglich kennt und was ihm heute Nachmittag noch mit einer japanischen Delegation bevor steht. Als Herr Lehmann zum Ende kommen will – wie gesagt, er hat noch einen Termin - räuspert sich Herr Schmalmund, schaut sich wieder um, tritt ganz dicht an Herrn Lehmann heran und mit gedämpfter Stimme: „Ich habe da noch ein Problem.“ Da Herr Lehmann erwartungsvoll schweigt, fährt Herr Schmalmund fort: „Also Horst… ich will gerne noch ein paar Tage in Utopia bleiben… noch andere Leute besuchen … und… äh… meine Karte ist abgelaufen.“ „Und warum lädst Du sie nicht einfach auf?“ Nun wird das Rumgedruckse von Herrn Schmalmund noch schlimmer: „Ich war doch damals einer der erbittersten Gegner von Utopia, immer aufs Schärfste gegen die Abschaffung der Geldwirtschaft argumentiert, bei der Volksbefragung dagegen gestimmt und dann als einer der ersten nach Notopia gegangen… und wenn ich jetzt zurückkomme…“ Herr Lehmannn versteht zwar nicht, was dann wohl Tragisches passieren könnte, wenn bekannt wäre, dass Karl in Utopia gearbeitet hätte, aber er hat keine Lust nachzufragen und da er über 100 Stunden Guthaben hat, fragt er kurz entschlossen nach Karl‘s Touristen-PIK (1), geht zu seiner Ladestation und transferiert 5 Stunden. „Hier musst Du jetzt noch mit Deinem Fingerabdruck bestätigen und dann kannst Du eine weitere Woche in Utopia bleiben.“

Karl scheint ein Stein vom Herzen zu fallen und der Abschied ist jetzt kein Problem mehr. Herr Lehmann begleitet Herr Schmalmund noch bis weit vor die Haustüre, zeigt ihm den nächsten Norma-Laden(2), wo es heute in der Küfa (3) Spaghetti gibt und den danebenliegenden Spezi-Laden (4), wo er mit seiner PIK aber nur rein kann, wenn er sie weiter auflädt. - Und dann trennen sich ihre Wege.



Das Wetter ist schön und Herr Lehmann will die frische Luft genießen. Deshalb entscheidet er sich zu seinem Termin am anderen Ende der Stadt, ein E-Trike zu nehmen. An der nächsten Station nimmt er eines und fährt los. Beim Fahren entspannt er sich zunehmend und muss daran denken, dass ihn als junger Mann eine Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h total genervt hätte. Und jetzt… es ist eine richtige Wohltat.

Allerdings, was ist das? Dieses Geräusch ist keine Wohltat. Herr Lehmann hatte noch nie viel Ahnung von Technik gehabt; das hat sich auch in Utopia nicht groß verändert. Dennoch kann er beurteilen, dass dieses merkwürdige Geräusch des Elektromotors das Ende der Fahrt bedeutet. Und siehe da… das Trike bleibt stehen.

Herr Lehmann wählt die Servicenummer und ist hocherfreut, Benny am Telefon zu haben. Er ist gerade mit seinem Servicewagen in der Nähe und kann in 5 Minuten da sein. Benny ist das erste Kind – und bei dem Gedanken muss er lächeln - trotz 18 Jahre Utopia hat er sich an viele neue Worte noch nicht gewöhnt. Er hat neulich mal in einer Enzyklopädie unter „Kind“ nachgeschlagen: Pl. –er; adultistisches Wort aus der VUZ (1) = Jungmensch. - und erinnerte sich daran, dass es ja auch schon damals Jahre gedauert hatte, bis er „herrlich“ oder „dämlich“ wegen ihres patriarchalen Charakters aus seinem Sprachschatz gestrichen hatte. Und in Utopia ist er ja auch kein Rentner oder Senior sondern ein Altmensch. - Ja, also Benny ist der erste Jungmensch, den er kennt, der in Utopia geboren ist. Er ist auch bisher der einzige Jungmensch, der schon mit 8 Jahren eine PIK beantragt hatte. Herr Lehmann kennt Benny auch ganz gut, weil er früher oft an Herrn Lehmanns Geschichtskursen und Stadterkundungsspielen teilgenommen hatte. Außerdem arbeitet er oft mit seiner Mutter – Linda – zusammen, wie z.B. in ca. 2 Stunden, wenn sie ihn übersetzen wird.


1) Vor-Utopia-Zeit


„Da ist er schon!“ - Mit jugendlichem Schwung steigt Benny aus seinem Servicewagen aus, begrüßt ihn herzlich und fragt, ob er ein Ersatztrike haben will und zeigt auf die Ladefläche. „Nicht unbedingt, wie lange dauert denn die Reparatur?“- Benny wirft einen Blick auf das Trike… ein Handgriff… und… dann ist die Diagnose wohl klar: „10 Minuten!“ Herr Lehmann nickt zustimmend mit dem Kopf. Benny holt seinen Werkzeugkasten raus und wechselt irgendein Teil aus - „Fertig!“ … und damit schiebt er ihm das Trike wieder zu.

Herr Lehmann bedankt sich und will Benny’s Zeitkonto auffüllen. Aber der winkt nur ab: „Ich weiß schon jetzt nicht, was ich mit meinem ganzen Stundenguthaben machen soll!“ Als Benny lachend und winkend davon braust, sieht ihm Herr Lehmann noch lange nach. Ein 15- jähriger ohne materielle Wünsche… und vor ein paar Tagen hat ihm Linda gesagt, dass Benny die Produktion und Wartung aller E-Fahrzeuge der Stadt übertragen worden ist. Unglaublich, was er mit seinen 100 Jahren nicht alles noch erleben darf…

Ohne weitere Unterbrechung kommt Herr Lehmann am Veranstaltungsort an. Linda ist schon da, aber die japanische Delegation noch nicht, so dass ihr Herr Lehmann noch kurz das Zusammentreffen mit Benny schildert.

Die Veranstaltung selbst ist für Herrn Lehmann Routine und nichts mehr besonderes für ihn. Anschließend gehen sie noch mit der ca. 20- köpfigen Gruppe in die Küfa. Dort bestätigen bzw. füllen Linda und Herr Lehmann ihr Zeitkonto um 3 Stunden auf und erhalten von der japanischen Delegation die Einladung „sie unbedingt in Japan besuchen zu müssen“, wie es Linda zumindest übersetzt. Die freut sich riesig über die Einladung. Ja, mit 35 Jahren, oder ist sie schon 36, Herr Lehman ist sich da nicht so sicher, hätte er sich auch gefreut. Aber Herr Lehmann ist in der Vor-Utopia-Zeit schon viel gereist und wird wegen seiner Erfahrungen ständig von Basisinitiativen oder Regierungsvertretern der Notopialänder eingeladen. Aber im Gegensatz zu früher sind lange Flüge für ihn heute große körperliche Strapazen. Außerdem mag er es auch nicht besonders, von seinem Gastgeber oder Gastgeberin 100% abhängig zu sein; denn als Utopianer hat er ja kein Geld oder Devisen.

Nach der Küfa verabschieden sich alle voneinander. Herr Lehmann bleibt aber noch einen Moment, um im Norma noch etwas Knabberzeug und Schokolade für den Dokoabend zu holen. Trotz seiner 100 Jahren und den immensen gesellschaftlichen, persönlichen und körperlichen Veränderungen ist doch eine Sache bei Herrn Lehmann gleich geblieben: Seine unverminderte Leidenschaft für das Spielen; insbesondere das Doppelkopfspielen. Deshalb hat er sich neulich im Netz auch gleich eingeloggt, als er gesehen hat, dass in Hannover in einem Altmenschenheim jemensch gesucht wird, der*die den Altmenschen Skat und Doko beibringt. 100 Stunden werden dafür angesetzt. Ab nächste Woche geht es los. Das sind zwar jeden Tag jeweils immer 1,5 Stunden mit dem Zug hin und zurück. Aber den Spruch „Zeit ist Geld“ gibt es in Utopia nicht nur nicht, weil es kein Geld gibt, sondern weil auch die Menschen mehr Zeit haben.

Bei diesem Gedanken fällt Herrn Lehmann ein, dass er ja noch in den Spezi muss. Mit einem gewissen Widerwillen macht er sich auf den Weg zum nächsten Spezi. Der Widerwille kommt daher, dass er noch ein Dokospiel holen will. Die gab’s natürlich im Norma in Hülle und Fülle. Er will aber ein besonderes Spiel haben; ein Dokospiel, was Blinde, Taube, Stumme und Gelähmte spielen können. Er hat bei der Entwicklung davon selber mitgearbeitet und dafür auch 50 Stunden bekommen. „Schweinerei“, denkt Herr Lehmann. „In einer Gesellschaft, die sich Herrschaftsfreiheit und keine Diskriminierung auf die Fahnen geschrieben hat, ist so ein Spiel nicht im Norma-Angebot, sondern muss ich im Spezi kaufen.“

Beim Betreten des Spezi versucht Herr Lehmann, sich zu kontrollieren und seinen Ärger nicht am Verkaufspersonal auszulassen. Die Verkäuferin bringt ihm auch sehr schnell das Gewünschte und bucht 2 Stunden von seiner PIK ab. Beim Auspacken des Spieles verfliegt der Ärger, denn Herr Lehmann ist jetzt neugierig, wie seine Ideen ausgeführt wurden und vor allen Dingen wie seine Dokorunde, quasi heute als Versuchskaninchen, das Spiel bewerten wird.

Zu seiner Dokorunde nimmt Herr Lehmann nicht das E-Trike, sondern den Bus und die Tram. Auf dem Weg denkt er an seine heutigen Mitspieler*innen Lucia, Moritz, Leona und Oskar; alle um Jahrzehnte jünger. Mit Wehmut erinnert sich Herr Lehmann an seine früheren Freund*innen und Bekannte mit denen er schon als 25-jähriger Doko gespielt hat und die heute nicht mehr leben und einige von ihnen noch nicht mal mehr Utopia erleben durften; sie konnten nicht mitfeiern 2036, als 7 Tage lang im ganzen Lande Riesenparty war, mit Lagerfeuern, wo die Banknoten, Aktien und Wertpapiere reinflogen, mit extra Öfen zum Einschmelzen von Gold und Münzen. - Die Ansage des Busfahrers reißt Herrn Lehmann aus seiner Wehmut und erinnert ihn daran auszusteigen. Flotten Schrittes - soweit mensch bei Herrn Lehmann das sagen kann - geht er die restliche Strecke zu Fuß.

Der Dokoabend verläuft in heiterer Atmosphäre aber es bedarf einer gewissen Eingewöhnung an die elektronischen Karten. Nach diesem Abend weiß Herr Lehmann aber, dass er das Spiel mit einem guten Gewissen nächste Woche nach Hannover mitnehmen kann.

Auf dem Heimweg überlegt Herr Lehmann, ob er sich nicht daran machen soll, auch ein paar Brettspiele wie z.B. Siedler oder Auf Achse entsprechend umzurüsten. Aber vorher will er erst mal seine Meinung loswerden.

Deshalb setzt er sich - zu Hause angekommen - an seinen PC und klickt auf „Monatliches Rein –Raus.“ Voller Inbrust setzt er bei Spezi unter dem Titel Doppelkopfkarten für Blinde, Taube, Stumme und Gelähmte den Pfeil „raus in den Norma“ und bei „Norma rein“, Doppelkopfkarten für Blinde, Taube und Gelähmte. Er hat zwar noch 9 weitere Wahlfelder, wo er wie jeden Monat, Produkte der Norma- und Speziläden rein- und rauswählen kann, aber weil er diesen Monat keine Meinung dazu hat, setzt er seine Wahl für alle Felder und schreibt eine ausführliche Bemerkung dazu, warum es eine Schweinerei ist, dass dieses Produkt bisher nicht im Normaladen zu erhalten ist.

Sichtlich zufrieden macht Herr Lehmann den PC aus, ruft seinem Technikturm „Schnulzen“ zu, programmiert sein Bett auf 20 Grad und macht sich im Bad bettfertig.

Müde und erschöpft lässt sich Herr Lehmann jetzt in sein warmes Bett fallen. Das Licht ist aus. Er lässt nochmal den Tag Revue passieren. Und wie so oft in den letzten Jahren erfüllt ihn ein Gefühl tiefer Zufriedenheit: Sein alter Traum von einer neuen Gesellschaft ist in Erfüllung gegangen… und er hat einen klitzekleinen Teil dazu beigetragen.- Mit einem Lächeln auf den Lippen verfällt Herr Lehmann in einen tiefen Schlaf….

Einleitung

Das vorliegende Buch ist eine Handlungsanweisung für soziale Gerechtigkeit, Frieden, Wohlstand und individuellem Glück - und zwar nicht nur für eine kleine Gruppe oder ein einzelnes Land, sondern für alle Menschen - weltweit! Oder anders ausgedrückt: Es geht nicht mehr um Lobbyverbände, um Umweltverschmutzung, Währungskrisen, Bevölkerungsexplosion, Markt, Euro, Dollar, Klimakatastrophen, Krankheiten, Terrorismus und ähnlichem. Es geht auch nicht um einzelne Länder oder Kontinente oder Zusammenschlüsse wie G 20, EU, IWF, Weltbank, Nato, Uno etc. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als die gesamte Menschheit!

Zur Verständlichkeit des Textes: Das Zeichen * bezieht sich in diesem Buch immer auf alle Menschen, die sich der vorherrschenden Polarität der Geschlechtlichkeit in Mann/Frau nicht zuordnen wollen oder können.

Wie Sie, verehrte*r Leser*in, vielleicht schon am Prolog gesehen haben, handelt es sich bei dieser vollmundigen Versprechung von Frieden, Gerechtigkeit und Glück nicht um irgendeine Sekte, die sich Ihrer ermächtigen will und wo Sie quasi in Form eines 20-Jahres-Programmes aufsteigen zur Erleuchtung, Nirwana, Vollendung oder ähnlichen spirituellen oder esoterischen Gefilden, sondern bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um einen konkreten Plan zur Umstrukturierung der gesamten gesellschaftlichen Verhältnisse.

Dabei basiert das Buch auf 6 Prämissen. Wenn Sie diesen nicht zustimmen können, sollten Sie das Buch gleich zur Seite legen und auf keinen Fall kaufen oder lesen, denn ich will ja Ihre Zeit und Ihr Geld nicht unnötig verschwenden.

Grundlage des gesamten Buches sind folgende Thesen/Annahmen:

  • Wenn der Mensch eine Arbeit ausführt, die ihm*ihr Spaß macht und die er*sie nach Zeitpunkt und Dauer frei wählen kann, hebt das sein*ihr Wohlbefinden.
  • Wenn der Mensch keine Angst mehr hat, dass die Bedürfnisse nach Nahrung, Kleidung, Wohnung, Mobilität, medizinischer Versorgung, Kommunikation und Kultur nicht befriedigt werden, hebt das sein*ihr Wohlbefinden.
  • Die Menschen sind verschieden.
  • Der technische Fortschritt, besonders im Bereich der Computertechnologie, wird auf jeden Fall gehalten, wenn nicht sogar noch immens ausgebaut.
  • Das Bruttoinlandsprodukt eines Landes ist in Arbeitszeit ausrechenbar.
  • Die Angst vor dem „gläsernen Menschen“ wird weiter abnehmen oder anders ausgedrückt: Die Bereitschaft persönliche Daten der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen wird im Laufe der nächsten Jahrzehnte zunehmen bzw. selbstverständlich werden.

Wenn Sie diesen Voraussetzungen zustimmen können, kann ich Ihnen jetzt die zentrale Säule von Utopia vorstellen:

Das Geld ist abgeschafft!!!

Sicherlich brechen Sie jetzt in ein schallendes Gelächter aus oder Ihnen fallen spontan unzählige Argumente und Fragen ein, warum das Ganze nicht funktionieren kann. Für diesen Fall können Sie auch direkt auf den Anhang gehen, denn dieses Buch muss nicht chronologisch gelesen werden, sondern kann auch anhand des im Anhang aufgeführten Fragenkatalogs durchgearbeitet werden.

Falls Ihre Fragen wirklich nicht dabei sein sollten, Antworten fehlen oder Ihnen nicht genügend beantwortet erscheinen, wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie mich das wissen ließen. Ich würde dann versuchen, Ihnen persönlich zu antworten.
Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Teil I Utopia – die Idee 

Kurzdarstellung

In Utopia ist das Geld abgeschafft worden. Alle Menschen haben freien Zugang zu medizinischen Leistungen, Lebensmittel, Kleidung, Wohnung, Kommunikation, Bildung/Kultur, Mobilität und Mitwirkung am Gemeinwesen.

Dafür verpflichten sich alle ein festgelegtes Minimum an „Arbeit“ für die Gemeinschaft zu leisten. „Arbeit“ ist in Anführungsstrichen geschrieben, da es sich hierbei um eine selbstbestimmte und frei gewählte Tätigkeit handelt. Die Lebenszeit ist das höchste Gut des Menschen. Alle Lebenszeit ist gleich wert und kostbar, unabhängig von Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Religion oder körperlicher und geistiger Verfassung. Alle Menschen eines Landes stellen den gleichen Mindestbetrag an Lebenszeit der Allgemeinheit zur Verfügung.

Alle gesellschaftlich notwendige Arbeit wird transparent gemacht und allen angeboten.

Durch eine persönliche Chipkarte kann jede*r sein*ihr „Arbeits“konto auffüllen und sich bei den entsprechenden „Arbeits“angeboten einloggen oder sie anbieten und sich damit Zugang zu den gesellschaftlichen Angeboten verschaffen.

Wer bei diesem System nicht mitmachen will, muss nach Notopia gehen.

Die Umsetzung bzw. Verwandlung unserer heutigen Gesellschaft zu Utopia ist innerhalb von 20 Jahren möglich!

Philosophische Grundlagen /Ethik

  • dass in Utopia aus ökonomischen Gründen keine Kriege mehr geführt werden
  • dass es in Utopia keine Kluft mehr zwischen Arm und Reich gibt
  • dass in Utopia alle die gleichen Bildungschancen haben
  • dass es in Utopia keine Banken- oder Finanzkrisen mehr gibt
  • dass an der Börse keine Schicksale mehr von ganzen Bevölkerungsgruppen durch Nahrungsmittel- oder Immobilienspekulationen entschieden werden
  • dass mit der Umwelt und den entsprechenden Ressourcen immer verantwortlich umgegangen wird und nicht nur wie jetzt, nur wenn es dem Profit dient
  • dass die Körper der Menschen nicht mehr meistbietend versteigert werden (Organhandel) oder sich Menschen prostituieren müssen
  • dass die Kriminalität sinkt

… alles das sind nette Begleiterscheinungen von Utopia, die auf der Abschaffung des Geldes gründen. Ich sage bewusst „nette Begleiterscheinungen“, denn das wirklich Wichtige, das sozusagen Revolutionäre ist, dass die alte Wahrheit homo homini lupus (der Mensch ist dem Menschen ein Wolf) außer Kraft gesetzt ist.

In Utopia gibt es keine Konkurrenz und keinen Stress, „die Mark bzw. den Euro zu treffen“. Die Frage, wie kann ich was zu Geld machen, wie kann ich mich von der Konkurrenz auf dem Markt abheben, stellt sich in Utopia nicht. Da es kein Geld gibt und keinen Verwertungszwang, sind Menschen auch nicht weniger oder mehr wert als andere, sind nicht oben oder unten, gehören nicht zu den oberen Zehntausend oder zum unteren Drittel. Deshalb herrscht in Utopia eine Willkommensstruktur, denn der*die Andere/Fremde wird nicht als Feind*in/Konkurrent*in oder als ausbeutbares Objekt beäugt, sondern liebevoll willkommen geheißen. Jeder Mensch ist ein Diamant. Er*sie ist einzigartig. Wie ein Diamant in der Sonne funkelt er*sie in einmaliger Weise in den schillerndsten Farben… mensch muss ihn nur richtig halten, um das zu sehen und zu erkennen. Mein Gegenüber ist einzigartig… genau wie ich selbst es bin!

Dies alles ist in der jetzigen Gesellschaftsordnung nur idealistisches Geschwätz, in einer Gesellschaftsordnung ohne Geld, Leistungs- und Effektivitätskriterien wird es aber das Grundgefühl aller Menschen werden! - Dies soll im folgenden noch näher erklärt und ausgeführt werden:

Die ethische Grundlage in Utopia ist: Die Lebenszeit ist das höchste Gut des Menschen. Alle Lebenszeit ist gleich wert und kostbar, unabhängig von Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Religion oder körperlicher und geistiger Verfassung.

Nun klingt diese Aussage ja erst mal nicht so revolutionär. Denn schließlich haben alle Demokratien eine ähnliche Verfassung. Nehmen wir mal als Beispiel das Grundgesetz der BRD, wo es heißt:

Art 1
(1)Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

Art 2
(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Art 3
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin. (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Dies sind schöne Worte. Aber was ist denn die Würde des Menschen? Und was nützt denn das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, wenn die Möglichkeiten, diese zu entfalten, gar nicht vorhanden sind? Vergleichen wir doch mal die Würde eines Hartz IV- Empfängers mit der Würde eines berühmten Sportlers oder Schauspielers. Oder wie sieht die Würde eines Junkies, eines Obdachlosen, einer Toilettenfrau aus und vergleichen sie z.B. mit der Würde eines Bankers, Filmstars oder Hausbesitzers. Und wenn mensch mit wenigen Telefonaten oder ein paar Unterschriften Millionen macht, ist die freie Entfaltung der Persönlichkeit sicher auch kein Problem. Aber wie sieht es denn damit bei der alleinerziehenden Mutter von 3 Kindern aus, die nach 8 Stunden Lohnarbeit und 6 Stunden Kinder- und Hausarbeit todmüde ins Bett fällt und dennoch nicht schlafen kann, da sie nicht weiß, wie sie die Klassenreise ihres Ältesten bezahlen soll. (Immerhin… der kann noch zur Schule gehen; ein Privileg von denen Millionen Straßenkinder in den Slums von Kalkutta, Delhi, Mexico, Rio etc. nur träumen können) Oder anders ausgedrückt: Während Millionen Menschen von den Soziologen*innen als „working poor“ bezeichnet werden, leben die „oberen Zehntausend“ in Saus und Braus mit Villen, Yachten und Privatjets. Und was bitte schön, sind jetzt die unverletzlichen Menschenrechte und die Gerechtigkeit der Welt wie es in Artikel 1 Absatz 2 heißt?

Die Beispiele sollen dazu dienen, zu veranschaulichen, dass „Würde des Menschen“ und „Entfaltung der Persönlichkeit“ im bestehenden System im höchsten Maße abhängig ist vom sozialen Status und der ist ja fast identisch mit der Vermögenssituation. Deswegen - wenn wir ehrlich sind - müsste der Art. 3 Absatz 3 eigentlich erweitert heißen: „… aber alle, die wenig oder gar kein Geld haben, werden benachteiligt und alle die viel Geld haben, werden bevorzugt!“ oder Artikel 1 Abs.1 müsste ehrlicherweise eigentlich heißen: „Die Würde des Menschen ist abhängig vom Einkommen!“

Das Geld prägt nicht nur den sozialen Status und die gesellschaftliche Gliederung sondern dringt auch in unsere Psyche ein und bestimmt das menschliche Miteinander. Haben wir Geld, kann es uns gut gehen. Wie gut es uns geht, das hängt „natürlich“ immer von den Menschen um uns herum ab. Haben die alle weniger, geht es uns blendend. Aber leider gibt es ja immer einige, die mehr haben… Aber, wenn mensch sich mit denen gut stellt, kommt mensch vielleicht auch dahin… Und vor denen, die unter mir sind, weniger Geld haben, muss ich mich in Acht nehmen; die wollen ja meine Position und mein Geld ergattern! Kurzfristige Glücksgefühle erleben wir in dem bestehenden System in der Regel doch nur, wenn wir ein „Schnäppchen gemacht“ oder dem*der Konkurrent*in ein „Schnippchen geschlagen“ haben. Und wenn wir kein Geld haben, geht es uns sowieso von Hause aus schlecht.

Und diese Situation hat natürlich entsprechende Auswirkungen auf unser Selbstwertgefühl: Ist es nicht so, dass unser Selbstwertgefühl mehr oder minder stark beschädigt ist? Ist es nicht so, dass wir uns im Grunde unseres Herzens minderwertig fühlen, als Versager*in, irgendwie alles falsch machen, eine kleine, unbedeutende Leuchte sind, nichts wirklich auf die Reihe kriegen, unseren Körper hässlich und unansehnlich finden?

Auch wenn es nicht so extrem ist, so können wir doch sofort hunderte andere Menschen aufzählen, die alles besser können, besser aussehen, denen alles gelingt etc. Dazu kommen die ganzen Ängste wie z.B. um den Job, die Rente, die Pflegeversicherung, werden die Ersparnisse - so wir welche haben - ihren Wert behalten, kann ich die steigenden Mieten und Betriebskosten weiter begleichen, leisten andere mehr, werden mich die Jüngeren überflügeln, gehöre ich zum alten Eisen … und so weiter und sofort.

Kommen wir jetzt auf die so unscheinbar und lapidar klingenden Sätze zurück wie „Die Lebenszeit ist das höchste Gut des Menschen. Alle Lebenszeit ist gleich wert und kostbar, unabhängig von Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Religion oder körperlicher und geistiger Verfassung“. In Utopia entfalten sie eine revolutionäre Wirkung. Denn die Zeit ist nicht so ein dehnbarer und interpretationsreicher Ausdruck wie „Soziale Gerechtigkeit, freie Entfaltung der Persönlichkeit“ oder „Würde des Menschen.“ Die Zeit ist kein dehnbarer Begriff; mensch kann ihn nicht unterschiedlich interpretieren. Seit der Erfindung der Uhr, ist eine Stunde eine Stunde, egal, ob sie die Lebenszeit eines*r Handwerkers*in, eines*r Millionärs*in, Bankangestellten, Hart IV- Empfängers*in, eines*r Blinden, Körperbehinderten, Kindes, Frau, Mann etc. ist. Eine Stunde ist auch eine Stunde, egal ob sie im afrikanischen Busch, australischen Outback, in den Slums, auf Dörfern, in Eigenheimen, Hütten oder Wolkenkratzern erlebt wird. D.h.., eine Stunde ist überall auf der Welt messbar und immer eine Stunde!!!!

In Utopia gibt es keine Sorgen um das Geld. Der*die andere wird nicht als Konkurrent*in gesehen. Es ist auch kein Mensch mehr oder weniger Wert als sein*ihr Mitmensch, weil er*sie eine entsprechende Leistung erbringt. Jede gesellschaftliche Leistung ist so viel wert wie Arbeitszeit in ihr steckt; nicht mehr und nicht weniger! Und diese Arbeitszeit ist ein Teil der Lebenszeit jedes einzelnen Menschen, der*die an dem Produkt/Dienstleistung beteiligt war. Jede Arbeitsstunde ist gleich wert; es geht nur darum, ob sie einem*r anderen nützt – und zwar zum Gebrauch, nicht um Profit/Gewinn zu machen, denn ein Verkaufen gibt es in Utopia nicht.

Und da jeder Mensch auf der Welt, egal in welcher körperlichen Konstitution er*sie ist, irgendetwas für die Allgemeinheit tun kann, irgendein Talent, Fähigkeit, Charakterzug hat, der anderen nützlich sein kann, deswegen ändert sich die Psyche der Utopianer*innen. Stellen Sie sich bitte ein Leben vor ohne materielle Ängste, ohne Konkurrenzdenken und -fühlen, ohne Effektivitätsansprüche und einem daraus resultierendem Selbstwertgefühl, wo jede*r Einzelne fühlt “Ich bin kostbar, ich bin ein funkelnder Diamant!“

Die Dimensionen dieser Auswirkung sind kaum vorstellbar:

  • Wird dann nicht die Kriminalitätsrate extrem sinken?
  • Welche Rolle spielt dann noch der Gebrauch von Alkohol, Tabletten und Drogen?
  • Gibt es überhaupt noch Selbstmorde?
  • Gibt es noch psychosomatische Krankheiten?
  • Wird es noch depressive Menschen geben?
  • Was ist mit Eifersucht und Habgier?
  • Welche Auswirkungen auf die Atmosphäre am Arbeitsplatz, auf der Straße, zu Hause, auf die Sexualität hat es, wenn der Mitmensch nicht als Konkurrent*in, Feind*in oder Ware gesehen wird?
  • Welche jetzt verschütteten Fähigkeiten und Talente entwickelt der einzelne Mensch, wenn er frei von Ängsten und voller Ich-Stärke und Selbstvertrauen ist?
  • Was bedeutet das für seine*ihre körperliche Konstitution und Krankheitsanfälligkeit?

Die Gleichbewertung der Arbeit und damit die extreme Veränderung der Psyche der Menschen, das ist das wirklich Revolutionäre an Utopia. Oder ein bisschen witziger und ironischer ausgedrückt: Ja, die Utopianer*innen haben auch Stress. Jeden Abend gehen sie mit der gleichen „Sorge“ zu Bett. Was kann ich morgen machen, was mir Spaß macht und gibt es dabei noch was, was den einen oder die andere nützlich sein kann….?

Parteien/Politik/Regierung/Staatsform

Alle Macht geht vom Volk aus. Diesen schönen Spruch kennen wir ja zur Genüge. Er ist quasi die Präambel aller Demokratien. Aber wie sieht die Praxis aus?

In der Regel wird alle 4 Jahre der*die „mündige Bürger*in“ mit einem immensen propagandistischen Aufwand (Wahlkampf) an die Urne gelockt, um sein*ihr Kreuzchen zu machen. Danach schert sich die Politik einen Dreck um die Bürger*innen und um die Wahlversprechen, die vor der Wahl großmündig verkündet wurden. Wen wundert’s, dass die Wahlbeteiligung sinkt und Politikverdrossenheit allerorten vorzufinden ist, weil „die da oben sowieso machen, was sie wollen und nur ihre Pfründe sichern“ oder „ sich sowieso nichts ändern wird“. – Ab und an glimmt mal wieder Hoffnung auf, wenn eine neue Partei die Spielfläche des parlamentarischen Bodens betritt und verspricht alles anders=besser zu machen als die bisherigen Parteien…. bis sich dann aber nach kurzer Zeit feststellen lässt, dass mensch wieder nur die Wahl hat zwischen Teufel und Belzebub.

In Utopia geht wirklich alle Macht vom Volke aus; und nicht nur alle 4 Jahre zum Wahlsonntag, sondern täglich. In Utopia gibt es keine Parteien, keine Politiker*innen und keine Regierung. Jede*r Utopianer*in entscheidet mit - bei allen Dingen! Das was heutzutage noch die totale Ausnahme ist und mit hohen formalen, personal- und kostenintensiven Aufwand verbunden ist, der Volksentscheid, wird in Utopia die alltägliche Praxis sein. Was heute schon bei online-Petitionen praktiziert wird, dass nämlich hunderttausende von Menschen per Mausklick, also in kürzester Zeit, eine Bittschrift an das Parlament unterstützen, ist in Utopia zur „Regierungsform“ ausgebaut. Jede*r Utopianer*in entscheidet mittels seiner*ihrer PIK über alle Dinge, die sie*ihn betreffen, mit.
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Vorab wird selbstverständlich erst mal per Abstimmung grundlegend festgelegt, welche Fragen von nationalem, kommunalem oder örtlichem Interesse sind. Von daher stimmen natürlich nicht alle 83 Millionen Utopianer*innen von Deutschland ab, ob es z.B. in Kleinkleckersdorf an der Hauptkreuzung eine Ampel geben soll oder nicht, sondern nur die Bürger*innen von Kleinkleckersdorf.

Wie schon angedeutet, wird es also auch in Utopia dezentrale Entscheidungsstrukturen geben. Im Gegensatz zum bestehenden System werden aber keine Entscheidungen an Vertreter*innen oder Repräsentanten*innen delegiert oder abgegeben. Es wird von daher auch keinen Machtmissbrauch geben.
Natürlich verfügen immer Menschen über mehr Information oder Kompetenz als andere. Sie sind aber keine Politiker*innen; d.h., sie können nichts alleine entscheiden. Sie bereiten dank ihrer Sachkompetenz Entscheidungen nur vor. Ähnlich wie bei Volksentscheiden werden dann die pro&contra - Argumente und die damit verbundenen Auswirkungen und Konsequenzen zusammengestellt und zur Abstimmung gestellt.

Von daher kann der eingangs formulierte Satz „In Utopia gibt’s keine Politiker*innen, keine Parteien, und keine Regierung!“ auch anders gelesen werden: „Jede*r Utopianer*in ist ein*e Politiker*in, seine*ihre Partei, ist die Regierung!“ Oder als Staatsform ausgedrückt: Utopia ist die einzigste, vollendete Demokratie, die es je gab.

Notopia

Mit dem Volksentscheid wird festgestellt werden, dass nicht alle Bürger*innen hinter der Idee von Utopia stehen, sondern nur eine große Mehrheit. Da das Menschenbild von Utopia ist, keinen Menschen (zu seinem*ihrem Glück) zu zwingen, haben diese Menschen die Möglichkeit, nach Notopia oder in ein Notopialand zu gehen.

Bei Notopia handelt es sich um einen bestimmten Prozentsatz von der bewirtschafteten Gesamtfläche eines jeden Landes, was jedes Utopialand mit der Gründung abgibt. Die Größe der Fläche von Notopia ist abhängig von dem Ergebnis des Volksentscheides (z.B. entsprechen 20 % Gegenstimmen 20% Notopiafläche).

Abgeben heißt, dass für dieses Territorium der ehemalige Staat nicht mehr zuständig ist, inclusive Erhalt der Straßen-, Strom- Wasserversorgung etc. Dies alles ist Sache der Notopianer*innen (siehe auch Kapitel Umsetzung).

Notopialänder

Auch wenn das Gegenteil erstrebt wird - vermutlich wird die Realität so aussehen, dass nicht alle Länder zu Utopia werden wollen. Neben einem großen Bund von Utopialändern wird es vermutlich noch einzelne Länder geben, die - aus welchen Gründen auch immer - das alte System beibehalten wollen. Wie noch bei der T-PIK erläutert wird, heißt das trotzdem, dass Menschen aus den Notopia-Ländern nach Utopia kommen können und umgekehrt: Jede*r UtopianerIn kann Utopia jederzeit verlassen. Es gibt zwar territoriale Grenzen, diese sind aber zwischen den Utopialändern total durchlässig. Auch zu den Notopialändern gibt es - zumindest von den Utopialändern aus - keine Mauern oder Zäune. Es gibt aber eine Grenze auf Grund des anderen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems, die einen Warenaustausch und Reiseverkehr zwischen den Utopialändern und Notopialändern stark begrenzt. Da ja z.B. der*die Utopianer*in keine Devisen hat, ist er*sie in einem Notopialand 100% tig auf die Menschen, die dort leben, angewiesen.

Wirtschaft

In Utopia geht es nicht darum Mehrwert/Profit zu machen. Produktion und Güterverkehr sind ausschließlich am Nutzen und Gebrauch orientiert. Es gibt keinen Markt der Angebot, Nachfrage und Preis bestimmt. Es gibt keine Spekulationen mit Lebensmittel oder Vernichtung von Werten, um den Preis künstlich hochzuhalten wie es jetzt ja üblich ist. Da es sich in Utopia um ein in allen Bereichen zutiefst basisdemokratisches System handelt, wird natürlich die Produktion auch entsprechend gesteuert. Das Internet dient dabei als Medium direkter Mitbestimmung. Mit Hilfe seiner*ihrer PIK bestimmt jede*r Utopianer*in, was produziert wird und was nicht.

In Utopia haben alle Besitzer*innen einer PIK-Karte das Recht auf Kommunikation, medizinische Versorgung, Bildung und Kultur, Mobilität, Essen, Trinken, Kleidung, Wohnen und Mitgestaltung des Allgemeinwesens. „Recht auf“ heißt, dass alle Angebote frei und unbegrenzt (!) benutzt werden können.

Die volkswirtschaftliche Leistung, die dafür erbracht werden muss, um das für alle Bürger*innen von Utopia sicherzustellen, ist ausrechenbar. Und zwar wird das nicht in Euro oder Dollars gemacht - wie es jetzt beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Fall ist - sondern in Utopia wird es in Arbeitsstunden ausgerechnet. Also wie viele Arbeitsstunden sind nötig, dass alle öffentlichen Plätze sauber und instandgehalten werden können, alle Bildungs- und Kultureinrichtungen betrieben werden können, Energie- und Wasserversorgung gesichert ist, die Bahnen funktionieren, die Flugzeuge fliegen, die medizinische Versorgung gewährleistet ist und sich alle im NormaLaden und der Küfa mit Essen und Kleidung versorgen können und ein Dach über dem Kopf haben? (incls. Ausbildung/Weiterbildung, um die komplexen Arbeiten wie Flugzeug führen, Haus konstruieren etc. ausführen zu können) Es wird jedes Jahr neu festgelegt, wie viel dafür an Arbeitsstunden aufgebracht werden muss.

Jedes Land im Utopiaverbund hat eine eigene volkswirtschaftliche Berechnung, wo jedes Jahr der Mindestarbeitsstundeneinsatz jeder*s Einzelnen festgelegt wird.

Die spannende Frage ist natürlich: Wie viel wäre das eigentlich? Wissen kann das bisher natürlich niemensch. Aber ich wage mal eine Schätzung: Ich gehe von 10 h/Woche/Person für Deutschland aus; natürlich ist das ein fiktiver Wert und entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Ich gebe aber folgendes zu bedenken:

  • die Produktivität und der technische Fortschritt werden weiter zunehmen.
  • nach dem Motto „die Häuser denen, die drin wohnen“ fallen alle Mieten weg.
  • die Zahl der Erwerbstätigen wird steigen. In Deutschland z. B. sind heute nur 43 Millionen der Gesamtbevölkerung erwerbstätig. Den gesamten gesellschaftlichen Reichtum produziert also nur ca. 52% der Bevölkerung. In Utopia werden das etwa 88% sein. Wie komme ich auf diese Zahl? Das ist 100% minus der Prozentzahl, die heute dem Anteil der unter 14-jährigen in der BRD entspricht (10,61 Millionen). In Utopia „arbeiten“ nämlich alle über 14 Jahren am BIP mit. Aufhebung der sozialen Hierarchie heißt nämlich auch, dass keine*r zum alten Eisen gehört. Rentner*innen gibt es in Utopia nicht. Auch alte und gebrechliche Menschen können noch „arbeiten“.

Und wie ist es bei Krankheit? Heutzutage habe ich an meinem Arbeitsplatz nur 2 Möglichkeiten: Volles Funktionieren oder die Krankmeldung. Ganz abgesehen davon, dass der gelbe Schein gerne auch genommen wird, um sich eine Auszeit zu verschaffen, heißt krank sein doch, dass ich meine Arbeit nicht weiter machen kann. Aber auch wenn ich mit Grippe im Bett liege, kann ich dann nicht trotzdem „arbeiten“? (Ein Bauarbeiter kann mit einem gebrochenen Bein nicht mehr auf der Baustelle tätig sein. Aber er kann z.B. mit Laptop und Telefon wunderbar die Disposition seiner Kollegen*innen übernehmen. Oder Schulklassen könnten an seinem Krankenbett einem Vortrag über die am Bau verwendeten Werkstoffe wie Zement, Beton, Gips, Rigips etc. lauschen. Und kann mensch, sogar mit Grippe im Bett liegend, nicht noch leichte Telefon- oder Schreib“arbeiten“ erledigen? Und können Senioren*innen nicht plastischen Geschichtsunterricht geben oder Kurse halten, wie sich die Mode über die Jahrzehnte entwickelt und verändert hat? Und können nicht selbst Menschen mit Alzheimer noch Sortier“arbeiten“ oder handwerkliche Tätigkeiten ausüben?)

  • Produktivität/Arbeitskraft/Energie für privaten Güterkonsum der Reichen, für Waffen und Verwaltung wird wegfallen bzw. wird freigesetzt werden. (es werden keine Steuern mehr eingezogen, die Finanzverwaltung fällt weg, Sozialämter, Armutsverwaltung, Bankenwesen etc.)
  • da es keine Tarifparteien mehr gibt, wird es auch keine Produktionsausfälle wegen Streiks oder Arbeitsniederlegungen geben.
  • da die „Arbeit“ in Utopia einen hohen Spaßfaktor haben wird, wird es auch keine Krankheitstage oder Urlaubstage geben und die „Arbeit“ selbst wird dadurch effektiver werden . Da arbeiten nicht gleich „arbeiten“ ist, ist die Effektivität in Utopia natürlich auch eine viel höhere. Stellen Sie sich doch einfach einen Arbeitstag vor, wo Sie widerwillig und voller innerer Abwehr arbeiten. Und dann einen „Arbeitstag“ auf den Sie sich freuen, gespannt sind. Und nun vergleichen Sie beide Tage in Bezug auf Konzentration, Aufnahme- und Leistungsfähigkeit, körperliche Fitness und wenn Sie mit anderen zusammenarbeiten noch Ihre Ausstrahlung auf das Betriebsklima.
  • Erfindungen wie z.B. eine Waschmaschine, die ewig hält, sind für ein kapitalistischen System kontraproduktiv, in einem System, was nicht auf Kapitalakkumulation ausgerichtet ist, ist es eine ressourcenschonende Erfindung.
  • zum Kapitalismus gehört natürlich auch, ständig neue Absatzmärkte zu schaffen. Im Inland passiert das hauptsächlich durch Werbung. Zwar habe ich schon alles (Fernseher, Telefon, Auto, Stereoanlage, Computer, ausreichend Kleidung u.v.m.) aber ich kann damit nicht richtig glücklich werden, da das neueste Gerät viel besser ist und Funktionen hat, die ich zwar bisher nicht vermisst habe, jetzt aber durch die geschickte Werbung und dadurch das alle anderen auch danach streben, dieses neue Modell unbedingt auch erwerben muss. Hinzu kommt, wie im Kapitel Ethik schon aufgezeigt wurde, dass es in Utopia keine sozialen Hierarchien gibt. Und wenn wir ehrlich sind, wie viele der materiellen Güter, die wir heute erwerben, dienen denn wirklich nur dem Gebrauchszweck und nicht dem Absichern oder Erstreben eines bestimmten Status? Oder würde es denn wirklich unser Lebensgefühl einschränken, wenn es z.B. statt 1800 verschiedenen Käsesorten nur 180 gäbe? Damit will ich sagen, dass die Produktion von einigen Gütern und Dienstleistungen in Utopia wegfallen wird.
  • apropos Werbung: In Utopia wird es keine Werbung geben. Denken Sie bitte daran, was bei dem heutigen System nur allein die Werbung an Arbeitskraft, Kosten und Kreativität verbraucht. Und der einzige Zweck davon ist doch nur, Marktanteile zu sichern, Einschaltquoten zu erhöhen oder anders ausgedrückt, den*die potentiellen Käufer*in davon zu überzeugen, dass mein Produkt besser ist als das des*der Konkurrenten*in.

Überhaupt Konkurrenz: wir stehen doch heute im gnadenlosen Konkurrenzkampf; das gilt für alle: Für den*die einzelne Arbeitnehmer*in, die kleinen Selbständigen, die Global Player und die Volkswirtschaften untereinander auch.

Der*die einzelne Arbeitnehmer*in schielt auf jede*n andere*n, ob sie*er nicht preiswerter die Arbeitskraft anbietet - immer vom Gespenst der Arbeitslosigkeit bedroht. Der*die Selbstständige oder das kleine Unternehmen beobachtet mißtrauisch die Konkurrenz und dessen*deren Kunden*innen – hier heißt das Gespenst Insolvenz oder Pleite. Die Global-Player untereinander versuchen durch riesige Marktanalysen den neuesten Trend nicht zu verschlafen - hier heißt das Gespenst feindliche Übernahme und die einzelnen Länder oder Wirtschaftsräume buhlen um den besten Standortvorteil für Kapital und Wirtschaftsunternehmen.

Und das Ganze doch nur, weil wir Sklaven*Innen der Geldwirtschaft sind. Wir sind gefangen in einem System von Markt, Zinserträgen, Kursschwankungen, Krediten, Hypotheken, Leitzins, Aktienkursen, Miete, Kosten, Gebühren, Börse, Dax, Sparguthaben, Löhne, Versicherungen, Handelszölle, Steuern, Anleihen etc.pp.

Wenn mensch den Kapitalismus als eine die weltumspannende Kette begreift, versteht mensch auch, warum sich grundlegend nichts ändert. Rüttelt mensch bzw. Regierung an einer Stelle, gibt es dort partiell Erleichterung. Dafür zieht sie sich an einer anderen Stelle um so fester zu.

Mit der Abschaffung der Geldwirtschaft wird die Kette als Ganzes abgeworfen!!!!
Trotz immenser technologischer Fortschritte, die vermutlich auch noch weiter gemacht werden, wird es nicht darauf hinauslaufen, dass jedes Land sich autark mit allen lebensnotwendigen Sachen selbst versorgen kann. Es wird also weiter wie bisher auf den Handel mit anderen Ländern angewiesen bleiben. Von daher kann die „Sprengung der Kette“ nur funktionieren, wenn eine große Anzahl von Ländern mitmacht.

Da es vermutlich auf eine Spaltung der Welt in Notopialändern und Utopialändern hinauslaufen wird, werden die Handelsbeziehungen folgendermaßen aussehen.

Zwischen den Utopialändern untereinander:

hier werden sich die Handelsbeziehungen, der Technologie-und Wissenschaftstransfer, kulturelle Zusammenarbeit und nicht zuletzt die Wanderbewegung der Einwohner*innen stark intensivieren. Der Austauschmodus, sozusagen die Währung, sind die Arbeitsstunden. Dass was heute die Außenhandelsbilanz ausmacht wird es also weitergeben nur statt in Euro oder Dollar in Arbeitsstunden.


Zwischen den Utopialändern und den Notopialändern:

Hier ist eine gegenläufige Tendenz zu verzeichnen. Auf Grund fehlender Devisen wird der Ausstauch sich erheblich reduzieren und nur auf direkter Tauschbasis (Ware gegen Ware möglich) sein. Kooperationsabkommen wie z.B. alle Flugzeuge der Utopialänder werden auf den Flughäfen der Notopialänder betankt und gewartet und dafür im Gegenzug alle Flugzeuge der Notopialänder in den Utopialändern sind denkbar. (Auf den Reiseverkehr wird ausführlicher unter Touri-PIK eingegangen.)

Arbeit

Im Folgenden - wie bereits auch im Kapitel Wirtschaft schon praktiziert - wird Arbeit und verdienen immer dann in Anführungszeichen gesetzt, wenn es sich auf Utopia bezieht. Damit soll veranschaulicht werden, dass der Begriff „Arbeit“ und „verdienen“ in Utopia in den meisten Fällen recht wenig mit dem Begriff Arbeit und verdienen zu tun hat wie wir ihn in der gegenwärtigen Gesellschaft kennen und täglich erfahren.

Im Großen und Ganzen - von ein paar seltenen Ausnahmen vielleicht abgesehen - wird Arbeit heutzutage als etwas Fremdbestimmtes betrachtet. Zur Arbeit geht mensch, weil mensch es muss, denn irgendwie muss ja das Geld für Miete, Essen, Auto, Telefon etc. verdient werden. Deswegen ist in den meisten Fällen der Beruf eben nicht Berufung wie es eigentlich der Wortursprung nahelegt, sondern der Beruf, die Arbeit oder der Job ist ein notwendiges Übel, das mensch aushalten oder ertragen muss und wo mensch einfach durch muss. Mensch merkt das sowohl an der Sprache als auch am subjektiven Lebensgefühl. Wenn die Arbeit zu Ende ist, dann ist endlich Feierabend. Dann fängt die Freizeit an; das ist die Zeit auf die mensch sich während der ganzen Arbeitszeit freut. Freizeit heißt diese Zeit, weil mensch sich da erst frei fühlt, das richtige Leben erst wirklich anfängt. Die Steigerungsform der Freizeit ist natürlich der Urlaub. Egal, wie er praktiziert wird, er zeichnet sich dadurch aus, dass über einen längeren Zeitraum eben nicht gearbeitet wird. In Utopia gibt’s diese Teilung des Lebens nicht. Hier „arbeitet“ jede*r nur in dem Beruf oder in der Tätigkeit zu der er*sie Lust hat und sich berufen fühlt. Hinzu kommt noch, dass die Zeit frei wählbar ist. Deswegen werden in Utopia auch die Begriffe Freizeit und Urlaub aussterben. Dennoch gibt es in Utopia auch eine Teilung; und zwar wird unterschieden zwischen Gemeinnütziger „Arbeit“ – auch GA abgekürzt und der Privaten „Arbeit“ (PA). Und die Zeit für diese Tätigkeiten wird entsprechend Gemeinnützige „Arbeits“zeit (GAZ) oder Private „Arbeits“zeit (PAZ) genannt.

Die Gemeinnützige „Arbeit“ (GA)

Gemeinnützige „Arbeit“ ist all die „Arbeit“, die verrichtet werden muss, damit in Utopia die Grundbedürfnisse aller Utopianer*innnen befriedigt werden. Dazu zählt Nahrung, Kleidung, Gesundheit, ein Dach über dem Kopf, Bildung, Kultur, Kommunikation und Mobilität. Die GA sorgt also im weitesten Sinne dafür, dass es ein funktionierendes und gerechtes Gemeinwesen gibt. Deswegen kann mensch auch die GA mit Gemeinwesen“arbeit“ ausformulieren/übersetzen. Eine Unterform der GA ist die Mindest“arbeitszeit“ (MAZ).

Mindest“arbeits“zeit (MAZ)

Die Mindest“arbeit“szeit (MAZ) ist die Zeit, die jede*r Utopianer*in „arbeiten“ muss, damit für alle Menschen in Utopia die Grundbedürfnisse erfüllt sind. Dabei ist der gedankliche Hintergrund natürlich, dass die Materialisierung der Bedürfnisbefriedigung messbar ist. Also ganz konkret auf Deutschland als Utopialand bezogen: Wie viele Arbeitsstunden pro Jahr müssen geleistet werden, dass für 82 Millionen Menschen die oben skizzierten Bedürfnisse, die ich Grundbedürfnisse genannt habe, befriedigt werden. Natürlich ist klar, dass bei Piloten*innen, Bäcker*innen, etc. die jeweilige Ausbildungszeit, die erst mal aufgebracht werden muss, um den jeweiligen Beruf verantwortlich auszuüben, bei der Rechnung mit berücksichtigt werden muss.

Da heutzutage jede Volkswirtschaft mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) ihre gesamte Produktion von Gütern und Dienstleistungen in Dollar, Euro oder anderen Währungen darstellen kann, frage ich mich, warum diese Berechnung nicht auch ohne Weiteres statt in Geld in Arbeitszeit durchgeführt werden könnte. Oder nicht als Frage ausgedrückt: Das BIP ist messbar und kann als Arbeitszeit errechnet werden! Diese Jahres“arbeits“zeit kann natürlich auch heruntergerechnet werden auf die wöchentliche MAZ jedes*r einzelnen Utopianer*in.

Private "Arbeit" (PA)

Alle andere „Arbeit“, die nicht GA ist, wird als Private „Arbeit“ (PA) bezeichnet

Das Verhältnis von PAZ und GAZ

Gemeinnützige „Arbeit“ muss jede*r Utopianer*in machen. Wenn jetzt wer von „Zwangsarbeit“ spricht, gebe ich nochmal zu bedenken, dass es sich hierbei um einen Beruf oder eine Tätigkeit handelt zu der mensch Lust hat und sich berufen fühlt. Hinzu kommt noch, dass die Zeit frei wählbar ist. Während es bei der GA ein festgelegtes Minimum gibt, die sogenannte Mindest“arbeits“zeit (MAZ), gibt es bei der PA keine Sollgrenze. Ja, mensch kann in Utopia gut leben ohne eine Stunde PAZ zu leisten, das PAZ-Konto kann sozusagen immer bei Null stehen.
Anders beim GAZ Konto: Da hier jede Woche die MAZ abgebucht wird, sollte der*die Inhaber*in auf ein gewisses Polster achten. D.h., wer lange nicht „arbeiten“ will, kann dies durchaus tun, wenn er*sie genug GAZ angespart hat.

Die GAZ- und die PAZ-Konten sind im Netz für alle einsichtbar. Sie sind farblich (oder bei Farbenblinden anders) immer unterschiedlich markiert. Genauso werden Dienstleistungen und Produkte immer in der entsprechenden Farbe markiert, je nachdem ob in ihnen PAZ oder GAZ materialisiert ist. Was PAZ und was GAZ ist, wird festgelegt und ist im Netz einsehbar. Einzelne Tätigkeiten haben Codes (aus Zahlen z.B.). Und wenn ich bei der Stundenbuchung den falsch eingebe, nimmt der PC den nicht unter GAZ an, weil er z.B. zu PAZ gehört. Obwohl die Konten transparent sind, können Transaktionen von „Arbeits“zeiten nur mittels der PIK des*der jeweiligen Kontoinhaber*in durchgeführt werden.

Hierbei ist folgendes zu beachten: GAZ kann in PAZ umgewandelt werden, aber nicht umgekehrt! Oder anders ausgedrückt: Wenn ich ein Übermaß an GAZ er“arbeitet“ habe, kann ich so viel in PAZ umrubeln wie ich will. Umrubeln heißt, ich transferiere gemeinnützige „Arbeits“zeit in private „Arbeits“zeit im Verhältnis 1:1 (z.B. 5 Stunden GAZ werden zu 5 Stunden PAZ) Umgekehrt kann ich aber aus 100 Stunden PAZ nicht eine einzige Minute GAZ machen!

Diese Regelung hat natürlich einen inhaltlichen Sinn, der schon unter der Einleitung bei Wirtschaft und unter dem Kapitel Ethik angesprochen worden ist: Es gibt kein oben und unten, keine Sozialschmarotzer*innen oder Eliten, die sich auf dem Rücken der anderen ausruhen oder in Saus und Braus leben. Alle Utopianer*innen sind durch ihre MAZ am Funktionieren des Gemeinwohls beteiligt. Oder etwas Prosaischer ausgedrückt: Wenn der Karren im Dreck steckt, haben den alle reingefahren und müssen sich alle mit ihrer MAZ die Finger schmutzig machen.

Die MAZ ist die wöchentliche Stundenzahl, die jede*r Utopianer*in verrichten muss. Die MAZ wird jedes Jahr neu festgelegt; sie kann sinken, wenn sich z.B. die Produktivität erhöht, sie kann aber auch steigen, wenn Sachen oder Dienstleistungen, die bisher als Privat“arbeit“ angesehen wurden, als gemeinnützige „Arbeit“ zählen. (z.B. um mal den medizinischen Sektor zu betrachten, kann ja eine Schönheitsoperation als Privat“Arbeit“ oder als gemeinnützige „Arbeit“ angesehen werden. Oder die Produktion einer Segelyacht kann eine private Sache oder eine gemeinnützige Sache sein und entsprechend ist die darin vergegenständlichte Arbeit PAZ oder GAZ)

Während unsere jetzige Wirtschaft von Schwarzgeld, Scheingeschäften, Geldkoffern und heimlichen Transaktionen geprägt ist, gibt es dieses in Utopia nicht mehr. Dennoch wird es eine Zweiteilung von Wirtschaftskreisläufen geben. Auf der einen Seite einen total transparenten Kreislauf von Gütern und Dienstleistungen aus der GA, an dem alle Utopianer*innen über 14 Jahren zumindest mit Ihrer MAZ beteiligt sind. Auf der anderen Seite einen Kreislauf von Gütern und Dienstleistungen aus der PA. Dieser Kreislauf ist nicht ganz so transparent, da hier auch noch die gute alte Tauschwirtschaft zum Tragen kommen kann. Direkte Tauschgeschäfte sind noch ohne Netz möglich.( z.B.: Ich schneide Dir die Haare und Du reparierst meine Kaffeemaschine) Weiterhin ist bei diesem Kreislauf noch alles möglich, was wir von der hiesigen Marktwirtschaft kennen: Handel, Kredit und Zins. Ich kann z.B. einen Stuhl für 4 h PAZ erwerben und für 6 h PAZ weiter veräußern. Ich kann jemensch 50 h PAZ für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung stellen, um dann 60 h PAZ zurück zubekommen.

Selbst wenn es jemensch trotz seiner*ihrer Zeit, die er*sie für GA aufbringen muss, es schaffen sollte PAZ-Stunden-Millionär*in zu werden, bleibt es doch ein Unterschied zu heute. Wenn ich keine Existenzängste habe, eine Wohnung, Kultur, Bildung, Mobilität, medizinische Versorgung und eine Tätigkeit, die mir Spaß macht, welche Rolle spielt es da, wenn ein*e andere*r ein Millionenkonto hat?

Außerdem kommt noch was anderes hinzu: Durch die sozialen Hierarchien, die wir in den heutigen Gesellschaften haben, bewegt sich jede*r mehr oder minder nur in bestimmten Kreisen, in seiner*ihrer eigenen sozialen Schicht. Mensch „kennt“ natürlich die anderen Schichten. Ganz grob vereinfacht ausgedrückt kennt sogar der*die Obdachlose oder Hartz IV Empfänger*in dank Fernsehen das Leben der High-Society, der oberen Zehntausend; und umgekehrt hat der*die Millionär*in oder Banker*in auch schon was von Slums und Armut gehört. Aber wo bitte schön gibt es persönliche Berührungspunkte? Und diese Spaltung wird es in Utopia so nicht geben, weil sich alle irgendwie bei der GA persönlich treffen und miteinander auskommen müssen.

Aufmerksamen Leser*innnen ist es sicherlich schon aufgefallen, dass ich einen großen Denkfehler gemacht habe. Denn ich bin davon ausgegangen, dass alle gesellschaftlich notwendige Arbeit und die Lust und Fähigkeiten der Menschen, diese zu verrichten zueinander passen, deckungsgleich sind. Wenn aber alle als Schauspieler*innen, Piloten*innen, Ärzte*innen etc. „arbeiten“ können, wer macht dann denn noch die Drecksarbeit, macht die Straßen sauber, putzt die Klos oder wischt den gebrechlichen Menschen den Hintern ab?

Wer so mit Recht fragt, dem halte ich folgendes entgegen:

Die Menschen sind verschieden. Aus eigener Erfahrung weiß ich das. Jahrelang war für mich das Taxifahren in erster Linie Spiel und Entspannung und erst in zweiter Linie diente es dem Gelderwerb. Für meine befreundete Kollegin war es der totale Stress. Sie bevorzugte lieber Putzarbeiten im Kindergarten oder Büro, wo sie allein und bei vollem Musikprogramm beim Wischen des Bodens wunderbar entspannen konnte. Für mich total unverständlich, denn putzen ist für mich Schwerstarbeit; ebenso Kochen. Ich räume z.B. lieber mit 3 Leuten eine 4-Zimmmerwohnung aus als für 4 Leute ein 3-Gänge-Menü zu kreieren. Oder ich kenne genug Leute, die auf keinen Fall auf einer Bühne stehen wollen, bloß nicht im Mittelpunkt stehen, schon der Gedanke vor einer größeren Zuhörer*innenschaft zu sprechen, Schweißausbrüche auslöst. Dies ist für mich als Stadtführer die einfachste Übung. Dafür hört es mit meinen beiden „linken Händen“ schon beim Geschenke einpacken auf und ich staune immer wieder, wie kreativ und geschickt Menschen mit ihren Händen sein können. Es gibt auch genug Menschen mit Höhenangst.

Von daher ist es für mich eine Mär, dass alle Pilot*in, Schauspieler*in etc. werden wollen. Sicher wollen wir alle die soziale Achtung, das Prestige und den damit verbundenen Verdienst sprich Lebensstandard haben. Aber wenn es die soziale Hierarchie und die damit entsprechenden Abstufungen des Lebensstandards über den Verdienst nicht geben würde, wie würden denn dann die Berufswünsche aussehen? Würden dann immer noch alle Pilot*in, Schauspieler*in oder Arzt*Ärztin werden wollen? Oder ist es dann etwa gar umgekehrt? Warum soll ich Verantwortung für ein ganzes Flugzeug oder für eine Operation übernehmen, wenn ich ebenso gut die Straße fegen könnte? Sprich, wollen bei einem Wegfall der sozialen Hierarchie dann nicht alle Menschen in Utopia nur noch „einfache“ Tätigkeiten verrichten?

Utopia ist noch nicht realisiert und deswegen kann mensch nur über viele Sachen spekulieren. Ich denke aber, die banale Grundthese dieses Abschnittes „Mensch ist verschieden“ wird weiter gültig bleiben. Die Fähigkeiten, Neigungen und die Lust und Freude an bestimmten Tätigkeiten wird weiter von Mensch zu Mensch verschieden bleiben. Allerdings - da bin ich fest von überzeugt - wird die Bereitschaft das herauszufinden und zu praktizieren, in Utopia viel größer sein als in dem bestehenden System. In diesem System können wir in der Regel auf Grund von ökonomischen Zwängen und sozialen Hierarchien doch gar nicht neue Sachen ausprobieren; wir müssen doch quasi an der einmal getroffenen Arbeits-/Berufswahl festhalten, auch wenn sie uns nach gewisser Zeit keinen Spaß mehr machen sollte. So hätte ich z.B. große Lust, eine Zeitlang auf einem Kran zu „arbeiten“ oder als Baggerfahrer tätig zu sein. Aber als selbständiger Einzelunternehmer kann ich mir das nicht leisten, da ich sonst meinen Kundenstamm verlieren würde. Oder nehmen Sie den Chefarzt einer Klinik. Stellen Sie sich vor, der sagt, er wollte schon immer mal als Straßenfeger arbeiten. Eine direkte Einweisung in die Psychiatrie kann er wahrscheinlich verhindern, aber in seine Klinik kommt bestimmt kein*e Patient*in mehr hin. Oder gehen Sie zu einer Psychologin oder lassen Sie sich von einem Chefarzt operieren, der*die gerade 4 Monate bei der Stadtreinigung gearbeitet hat und Mülltonnen geleert hat?

In Utopia wird sowas selbstverständlich sein und kein Mensch wird verächtlich oder als geistig verwirrt angesehen, weil er*sie eine „niedere“ Arbeit macht, da es eben nicht die Hierarchie von oben/unten, niedrig/hoch, wertvoll/nicht wertvoll gibt. Natürlich kann auch in Utopia nicht jede*r z.B. ein Flugzeug steuern, eine Herzoperation ausführen oder ein Bauwerk konstruieren. Dafür ist mit Recht eine fundierte, oft jahrelange Ausbildung notwendig, um diese Tätigkeit verantwortlich auszuführen. Anders ist es beim Putzen. Dies kann fast jede*r, spätestens nach ganz kurzer Anlernzeit, durchführen. Wenn der*die Klomensch besoffen zur Arbeit kommt oder einen Fehler macht, ist das nicht so schlimm, beim Piloten*in wäre es eine Katastrophe. Von daher ist der*die Pilot*in/Arzt*in, Ingenieur*in etc. auch nicht so einfach zu ersetzen wie der*die Straßenfeger*in oder der*die Toilettenmensch. Aber rechtfertigt das die unterschiedliche soziale Bewertung und den unterschiedlichen Verdienst? Und kann der*die Pilot*in nicht nur erst losfliegen, wenn das ganze Bodenpersonal von Wartung, Beladung, Tanken, Saubermachen etc. seine*ihre Arbeit getan haben? Oder die Ärzte*innen? Sind die nicht noch mehr auf das Reinigungspersonal angewiesen, weil sie sonst wegen hygienischer Mängel ihre Arbeit gleich ganz lassen könnten?

Damit will ich veranschaulichen, dass, auch wenn es unterschiedliche Qualifikationen gibt, alles miteinander zusammenhängt, das eine nicht ohne das andere geht, alle Arbeiten gleich wichtig sind. Dieses Verständnis manifestiert sich in Utopia auch - wie schon an anderen Stellen mehrfach erwähnt - an der gleichen „Bezahlung“. Eine Stunde am Flugzeugknüppel oder bei der Herzoperation ist genauso viel wert wie eine Stunde Straßenfegen oder Kloputzen. Aber eine Stunde Mülltonnen entleeren oder eine Stunde den Rasen im Park mähen ist auch genauso viel wert wie eine Stunde Luftrecht oder Anatomie zu büffeln. Mit anderen Worten, die Lern-oder Ausbildungszeit ist „Arbeit“ in Utopia.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass die Aufhebung der unterschiedlichen Bewertung der Arbeit nicht dazu führt, dass in Utopia alle das gleiche „arbeiten“ möchten, sondern dank der Unterschiedlichkeit der Menschen alle für das Gemeinwohl notwendigen Arbeiten abgedeckt werden können.

Dennoch möchte ich die Eventualität in Betracht ziehen, dass einzelne Tätigkeiten kein Mensch oder nicht genügend Menschen durchführen wollen. Für diesen Fall sind 2 Modelle denkbar:

1. Modell: Diese Arbeitszeit wird anders bewertet (z.B. 1 Stunde zählt wie 2 Stunden). Es kann ja durchaus sein, dass sich davon Menschen angezogen fühlen, die sagen, lieber ganz wenig arbeiten mit Arbeit, die mir keinen Spaß macht, als mehr „arbeiten“ mit einer Tätigkeit, die selbstbestimmt ist.

2. Modell: Es ist echte Zwangsarbeit oder schöner ausgedrückt: Notwendige Tätigkeit für das Allgemeinwesen. Wer jetzt aufschreit - „Zwangsarbeit! Sind wir denn hier im Mittelalter mit Sklavenhaltung?“ - dem gebe ich folgendes zu bedenken:

⦁ die notwendige Arbeit für das Allgemeinwesen wäre ein rotierendes System. Jede*r käme mal ran. Und da es dann alle trifft, wäre die Belastung minimal (vielleicht 5 h/Jahr) und außerdem fällt damit dann auch der diskriminierende Faktor weg, den wir ja heutzutage bei den Zwangsarbeiten (Hartz IV) kennen.

⦁ Ist es denn heute besser, ist da kein Zwang, wenn Menschen nach der Devise „friss oder stirb“ jede Arbeit annehmen müssen oder sich prostituieren müssen nur um selbst überleben zu können oder das Überleben ihrer Kinder zu sichern?

⦁ Forschung und Wissenschaft dienen in Utopia nicht dazu, um etwas zu erfinden, womit mensch viel Geld machen kann, sondern Forschung in Utopia hat u.a. den Sinn und Zweck, die von allen Menschen ungeliebten Tätigkeiten durch Maschinen oder Roboter ausführen zu lassen.

Die Persönliche Identitätskarte (PIK)

Die PIK ist quasi der elektronische Fingerabdruck jedes*r Utopianer*in. Sie ist deshalb fälschungssicher und nicht übertragbar. Auf ihr sind der Name, Geburtsdatum, Ort und Adresse vermerkt. Sie hat etwa die Größe einer Scheckkarte. Und ähnlich wie heute die Scheckkarten ist sie für das konkrete Leben in Utopia unverzichtbar. Mit ihr erwirbt sich der/die Besitzer*in Zugang zu:
- den öffentlichen Verkehrsmitteln
- den medizinischen Leistungen
- kulturellen und bildungsmäßigen Einrichtungen
- den Normaläden mit angeschlossener Küche für alle (Küfa)

Die PIK kann jederzeit an den entsprechenden Ladestationen mit Arbeitszeit aufgeladen werden. Die wöchentliche Mindestarbeitszeit (MAZ) wird Sonntags 24.00 Uhr immer automatisch abgebucht. Ist kein Guthaben vorhanden, erscheint an den Lade- und Zugangsstationen ein rotes Signal. Die obigen Leistungen können aber eine weitere Woche quasi auf Kredit benutzt werden. Ist das Arbeitskonto dann immer noch nicht aufgefüllt, erscheint an den Lade- und Zugangsstationen ein rotes Blinklicht und ein Dauerton, der die Umstehenden oder Mitbenutzer*innen darauf aufmerksam macht, dass es hier eine*n Schmarotzer*in oder zumindest jemensch mit erheblichen Schwierigkeiten gibt…

Ebenso wird mit der PIK in den Speziläden „eingekauft“ bzw. sonstige Dienstleistungen erworben, in dem von dem PAZ- oder GAZ-Konto der entsprechende Betrag abgebucht wird.

Mit der PIK erwirbt der*die Besitzer*in Anspruch auf eigenen Wohnraum. Mit ihr kann er*sie die Warenproduktion mitbestimmen und bei allen Fragen des Gemeinwesens mitentscheiden. Sie ist damit sozusagen ein Pass; d.h., mit ihr ist der*die einzelne ein*e vollwertige*r Bürger*in von Utopia.

Auf- und Abbuchungen gehen dank des elektronischen Fingerabdrucks nur von der Person selbst. Geht die Karte verloren, kann der*die Eigentümer*in sich eine Neue ausstellen.

Mißbrauch ist wegen des elektronischen Fingerabdruckes ausgeschlossen und außerdem sind alle Arbeitskonten im Netz einsehbar.

Auch Jungmenschen (Kinder) können in Utopia eine PIK haben. Da damit aber auch Pflichten (Mindestarbeitszeit) verbunden sind, die sie eventuell noch nicht überschauen können, haben Sie die Möglichkeit bis zu ihrem 14. Lebensjahr die PIK einmal zurückzugeben bzw. zu löschen.
Wollen Erwachsene die PIK nicht mehr haben, was quasi die Aufhebung der Staatsbürger*innenschaft bedeutet, müssen sie nach Notopia gehen oder in ein Notopialand.

Touristen*innen- oder Besucher*innen-PIK (T-PIK)

Besucher*innen von Utopia können sich in ihrem Heimatland oder an der Grenze eine Touri-PIK (T-PIK) ausstellen. Inbegriffen ist automatisch ein Guthaben von einer Woche über die Mindestarbeitszeit. Allerdings kann diese T-PIK nur 1x ausgestellt werden. Will ich länger bleiben oder das gleiche Utopialand ein zweites Mal besuchen, habe ich kein Guthaben, sondern muss die Karte selbst aufladen oder von der*dem Gastgeber*in aufladen lassen, in dem der/die Gastgeber*in Teil seiner*ihrer Stunden auf die T-PIK überträgt.

Die T-PIK funktioniert adäquat zur PIK für Utopianer*innen außer dass keine Mitentscheidung zu Politik und Ökonomie möglich ist und kein Anspruch auf eigenen Wohnraum besteht. Wird eine T-PIK 1 Jahr ununterbrochen genutzt, wird der*die Besitzer*in automatisch Staatsbürger*in; d.h. er*sie kann am Gemeinwesen mitwirken und erwirbt Anspruch auf eigenen Wohnraum.

Normaladen (Norma)

Beim Normaladen handelt es sich um ein Gebäude, das eine Mischung ist zwischen Bankautomat, Supermarkt, Restaurant und Kita.

Im Normaladen gibt es ein Standardangebot an Lebensmitteln, Haushaltsmitteln, Kosmetika und Kleidung sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Dementsprechend gehören also auch Babynahrung, Windeln und Spielzeug zum Angebot des Norma. Dieses Warenangebot ist für alle Utopianer*innen frei zugänglich, wo sie sich wie bei den heutigen Bankfilialen mit ihrer PIK-Karte rund um die Uhr Zugang verschaffen können und sich entsprechend selbst bedienen können. Bei dem Warenangebot im Normalladen handelt es sich ausschließlich um Waren, die mit GA produziert worden sind.

Jeder Norma hat eine Küche für alle (Küfa). Hierbei handelt es sich um eine Art Restaurant, wo immer 2 oder 3 wechselnde Gerichte täglich, aber vermutlich nicht rund um die Uhr, angeboten werden. Und genau wie bei den Produkten aus dem Norma kann auch hier jede*r Utopianer*in mit seiner*ihrer PIK so viel essen bis er*sie satt ist.

An jedem Norma ist auch eine Kita angegliedert. Diese gewährt eine Rundumbetreuung von Kindern aller Altersklassen.

Alle, die im Norma, bei der Küfa oder der Kita „arbeiten“, machen GA.

Spezialladen (Spezi)

Speziladen ist praktisch alles, was nicht Norma ist; also alle Restaurants und Geschäfte, wo Waren oder Dienstleistungen angeboten werden, die nicht mit GAZ produziert werden. Diese Sachen können also nur erworben werden, wenn der*die PIK-Inhaber*in PA-Stunden auf seinem*ihrem Konto hat oder über die MAZ hinaus genug GAZ um einzukaufen.

Von daher gibt es in den Speziläden richtiges Verkaufspersonal. Und da alle Arbeit, die mit dem Spezi zusammenhängt, PA ist, werden diese Läden vermutlich auch nur begrenzte Öffnungszeiten haben. Wer aber das Feilschen und Schachern liebt, der*die kann hier noch auf sein*ihre Kosten kommen. Denn was wir ja aus unserer Geldwirtschaft kennen - das Handeln, das Weiterverkaufen, die Schnäppchenjagd etc. - das ist im Spezi weiterhin möglich. Nur dass jetzt die Währung ja nicht Euro, Dollar oder sonst was ist, sondern PAZ.

Eigentum

Durch PAZ oder überschüssige GAZ kann in den Speziläden einge“kauft“ werden und damit Eigentum erworben werden. Natürlich sind auch die Waren aus den Normaläden Eigentum, des*der jeweiligen Besitzer*in. Nur hat dies keine besondere Bedeutung, da ja jede*r Utopianer*in im Normaladen sich die entsprechende Sache nehmen kann.

Da in Utopia das Geld abgeschafft worden ist, gibt es auch kein Gewinn oder das Streben danach. Die materiellen Güter sind auf ihren Gebrauchszweck reduziert. Eine Wohnung oder ein Haus ist dazu da, um darin zu wohnen und nicht um einen Pachtzins zu erwirtschaften. Eine Fabrik ist dazu da, um Waren zu produzieren und nicht um Aktionäre zu befriedigen. Ein Omnibusunternehmen ist dazu da, um Leute von A nach B zu transportieren und nicht um Gewinn zu machen. Und…und…und.

Da in Utopia jede*r Utopianer*in Anspruch auf die Erfüllung seiner*ihrer Grundbedürfnisse hat und dazu natürlich auch eine Wohnung gehört, muss kein Mensch Miete oder ähnliches zahlen und kann auch nicht gekündigt werden. In Utopia wird damit die alte Hausbesetzer*innenparole verwirklicht: „Die Häuser denen, die drin wohnen!“ Denn Eigentum an Grund und Boden, was nicht unmittelbar den eigenen Wohnzwecken dient, geht mit der Gründung von Utopia in Allgemeinbesitz über.

Natürlich ist mir klar, dass Wohnen nicht gleich Wohnen ist, wenn mensch sich z.B. die Unterschiede zwischen einer Studenten*innenbutze und einer Villa am See vor Augen hält. Was aber in Utopia dann Standardgröße und Standardausrüstung der Wohnung sein wird und was Luxus und wer wie, was kriegen kann, ist Bestandteil der Umsetzungsphase und wird in Kapitel 2 näher erläutert.

Mobilität

Jede*r Utopianer*in hat das Recht auf uneingeschränkte Mobilität. In der Praxis bedeutet das, dass es ein sehr gut ausgebautes, flächendeckendes, öffentliches Nah- und Fernverkehrsnetz gibt.

Dies ist ein Verbund aus Bahn, Bus, Schiff und Flugzeug. Wie bei allen Planungen in Utopia geht es niemals um ökonomische Dinge, sondern ganz allein um den Menschen. Auf das Thema Verkehr bezogen heißt das also immer, wie kommt mensch, ohne lange zu warten, möglichst bequem von Punkt A nach Punkt B? Bei der Wahl der Etablierung der Verkehrsträger spielen neben einer zumutbaren Frequenz nur noch ökologische Gesichtspunkte eine Rolle. Es versteht sich wohl von selbst, dass in Utopia dann auch alle Verkehrsträger barrierefrei und rollstuhlgerecht sind.

Daneben gibt es aber in Utopia noch einen öffentlichen Individualverkehr. Damit ist gemeint, dass es Fahrräder, eTuks, Segways und Autos gibt, die der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Sie sind dafür deutlich sichtbar mit dem Utopia-Logo gekennzeichnet. Die Inbetriebnahme ist nur mit einer PIK-Karte möglich. Verlässt der*die Benutzer*in das Fahrzeug, steht es wieder für alle zur Verfügung. Jedes Fahrzeug hat eine GPS-Ortung, so dass alle sehen können, wo das nächste freie Fahrzeug steht.

Für die Leute, die aus den verschiedensten Gründen gerade nicht mit den Massenverkehrsmittel fahren wollen und nicht selbst das Fahrzeug führen wollen oder können, gibt es Taxis bzw. Fahrzeuge mit Chauffeur*in.

Benutzung ist hier - wie übrigens auch bei Bus, Bahn, Schiff und Flugzeug - immer nur mit der PIK-Karte möglich. Durch diese lückenlose Kontrolle der ganzen Verkehrswege, lassen sich so sinnvolle Pläne der Verbesserung der Infrastruktur und der Produktion der Verkehrsträger erarbeiten.

Gesundheit/Medizinische Versorgung

Jede*r Utopianer*in hat das Recht auf Gesundheit bzw. auf uneingeschränkte medizinische Versorgung. In der Praxis von Utopia bedeutet das, dass es kein Zweiklassensystem von Kassen- und Privatpatienten*innen gibt.

Stellen Sie sich bitte ein Gesundheitssystem vor, wo es keine ökonomischen Zwänge gibt, Klinikleitungen oder der*die einzelne niedergelassene Arzt*Ärztin nicht nach wirtschaftlichen Faktoren entscheiden muss. Stellen Sie sich eine Arztpraxis vor, wo es aus der Sicht des Arztes*der Ärztin egal ist, ob er*sie in einer Stunde einen oder 20 Patienten*innen behandelt. Oder stellen Sie sich eine Arzneimittelforschung vor, die nicht überlegt, welches Medikament kann wie und wo mit welchem Ertrag auf welchen Markt geworfen werden und wie kann es durch Patentrechte vor „billigen“ Kopien geschützt werden? Oder anders ausgedrückt: Selbstverständlich wird heutzutage keine Pharmafirma eine Forschung betreiben, wo heraus käme, dass z.B. Kopfschmerzen durch anderes Atmen schneller weggingen als durch Aspirin. Ganz im Gegenteil; etwaige Ergebnisse würden von einer umfangreichen Gegenforschung der jeweiligen Lobby mit den entsprechenden Gutachten und Gerichtsprozessen ad adsurdum geführt werden.
Ganz abgesehen davon wird der Krankenstand der Bevölkerung in Utopia ein ganz anderer sein.

Es ist ja allgemein bekannt dass Körper und Geist in der einen oder anderen Weise zusammenhängen. Störungen oder Leiden, die diesen Zusammenhang betreffen, werden in der Medizin als Psychosomatik bezeichnet.

Denken Sie bitte nun daran, wie viele von unseren täglichen Ängsten und Sorgen rein materieller bzw. finanzieller Art sind (der Kredit, die steigende Miete, Betriebskosten, Bußgeld, Steuerbescheid, steigende Preise etc.pp. Dazu die ständige Sorge, wenn der Job wegfällt oder mensch alt wird, was ist dann?). Und ich frage mich, wenn diese Ängste und Sorgen wegfallen, was bleibt dann noch von psychosomatischen Krankheiten übrig?

In dieser Richtung ist weiter zu fragen: Was passiert mit den ganzen seelischen Krankheiten wie Depression, Schizophrenie oder die verschiedensten Suchterkrankungen, wenn die Menschen viel glücklicher als heute sind und eine Beschäftigung haben, die ihnen Spaß macht?

Außerdem ist zu fragen, wie viele unserer Unfälle im Haushalt, Verkehr und am Arbeitsplatz damit zusammenhängen, dass wir mit unseren Gedanken und Gefühlen bei unseren Sorgen und Ängsten waren und nicht im unmittelbaren, konkreten Hier und Jetzt.

Zusammenfassend muss mensch sich doch fragen:

Wenn die Menschen in Utopia keine Ängste haben, gelernt haben Konflikte direkt zu lösen, mit einer lustvollen Beschäftigung dem Allgemeinwohl dienen, kurz gesagt, grundlegend glücklicher sind als heute, muss da nicht die Krankheitsanfälligkeit und die Unfallhäufigkeit rapide sinken?

An dieser Stelle noch ein Wort zum Selbstmord: Wenn mensch Selbstmord als Beendigung eines Leidens quasi als Heilungsakt betrachtet, muss aus dem bisher Gesagten ganz zwangläufig abgeleitet werden, dass in Utopia auch hier die Fallzahlen im Sinkflug sein werden.

Forschung/Wissenschaft

Wie schon im Kapitel Gesundheit/Medizinische Versorgung am Beispiel Medikamentenforschung dargestellt, wird die Forschung in Utopia ja nicht von ökonomischen Interessen geleitet. Es kann jetzt z.B. erforscht werden wie ein Fahrzeug nur mit komprimierter Luft angetrieben fährt, ein Kühlschrank oder Glühbirnen für die Ewigkeit halten, welche Nahrungsmittel uns schaden etc. - Wir wissen zwar schon seit langem, dass wir mit dem immanenten Gesetz des Kapitalismus (ständig steigendes Wirtschaftswachstum) an die ökologischen Grenzen kommen bzw. auf eine Umwelt/Klimakatastrophe zusteuern, doch dank des Profites der Global Player und der wirtschaftlichen Konkurrenz der Nationen untereinander, passiert doch da nichts wirklich Relevantes. Wirksam aufgehalten werden (falls es dann noch nicht zu spät ist) kann die Klimakatastrophe erst in Utopia, wenn der Mensch und die Umwelt wirklich im Zentrum der Forschung stehen und nicht der Profit.

Falls sich herausstellen sollte, dass ein bestimmter Teil von Tätigkeiten von den Utopianer*innen nicht gemacht werden will (z.B. Toiletten putzen), wird ein Schwerpunkt der Forschung in Utopia sein, diese Tätigkeiten durch Maschinen/Roboter verrichten zu lassen.

Kinder und Erziehung

Kinder lernen in unserer heutigen Gesellschaft eines auf jeden Fall: Es gibt eine Hierarchie und sie stehen in dieser Hierarchie ganz unten!

Sie sind quasi das Eigentum ihrer Eltern und die können mit ihnen (fast) alles machen, was sie wollen. (z.B. bestimmen, was wann gegessen wird, die Kleidung, die Schlafenszeiten, die Mobilität, den Umgang mit anderen Erwachsenen und/oder Kindern etc.) Wenn die Kinder größer werden, merken sie schnell, dass auch noch andere, ja eigentlich alle Erwachsene über sie bestimmen können (z.B. Erzieher*innen/Lehrer*innen)(1)


1)Dieses Unterdrückungsverhältnis von Erwachsenen zu Kindern - Adultismus genannt - beschreibe ich ausführlicher in meinem Buch „Die Kinderfalle“. 


Selbstverständlich wird den Kindern stets vermittelt, wenn sie immer schön alles brav befolgen, was ihnen gesagt wird, dann werden sie irgendwann auch groß, sprich oben sein und dann können sie alles machen, was sie jetzt nicht können, z.B. auch Macht ausüben und anderen Menschen Befehle erteilen. Von daher sind Eltern, Kita und Schule richtige Sozialisierungsinstanzen.„Richtige Sozialisierungsinstanzen“ meint, dass sie wirklich ihrer Rollen gerecht werden, die Kinder auf das Leben in dieser Gesellschaft vorzubereiten und das besteht eben aus Hierarchie, (Konkurrenz-) Kampf, Leistung, Leistung und noch mehr Leistung.

Oben zu sein ist gut, weil viel Geld, Anerkennung und Macht, unten zu sein ist schlecht, da kein oder wenig Geld und keine Anerkennung bzw. Verachtung und Abhängigkeit (Versager*in, Looser*in etc.)

Von daher werden wir in unser jetzigen Gesellschaft schon quasi von Geburt an, an Machtstrukturen, an oben/unten gewöhnt.

Damit kommen wir jetzt zu Utopia.

Fangen wir aber erst mal mit der Begrifflichkeit an: Die Begriffe Kinder, Erwachsene, Rentner*innen, gehen von einer Hierarchie aus, wo im Hintergrund der Leistungsgedanke steht. „Werde erstmal erwachsen!“ muss sich jedes Kind anhören. Erst dann ist es richtig im Leben, ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft; vorher ist es halbfertig, klein. Bei den Rentner*innen ist es anders. Sie haben bereits ihren Teil geleistet. Sie dürfen sich ausruhen, auf Rente gehen. Trotzdem ist eine gewisse Abwertung dabei, denn sie gehören zum „alten Eisen“.
Wie schon im Kapitel Ethik dargestellt, geht es in Utopia nicht um Leistung, denn jeder Mensch ist ein Juwel unabhängig von seiner*ihrer Leistung und seinem*ihrem Lebensalter. Deswegen gibt es in Utopia nur Menschen, die eventuell noch in Jungmenschen, Menschen und Altmenschen unterschieden werden. In Utopia geht es auch nicht um Macht oder Machtgewinnung. Natürlich wird es immer emotionale Bindungen geben, nicht nur zwischen Kindern und Eltern. Das wird und soll in Utopia auch nicht anders sein. Aber im Gegensatz zu heute, wo die emotionalen Beziehungen - besonders beim Eltern/Kindverhältnis - oft durch Gesetze und materielle Abhängigkeiten verschränkt sind, sind Bindungen und Abhängigkeiten zwischen den Menschen in Utopia ausschließlich emotionaler Art. Deshalb gibt es in Utopia auch kein Aufenthaltsbestimmungsrecht, Sorgerecht, Kindergeld, Mutterschutz, Elternzeit, Erbrecht u.ä.; alles Dinge, die doch die individuelle Machtposition des einzelnen Erwachsenen gegenüber dem Kind stärken, es materiell und juristisch dem Erwachsenen ausliefern.

Kinder bzw. Jungmenschen müssen mit spätestens 14 Jahren eine PIK haben. Sie können sie sich aber auch jederzeit früher ausstellen. (siehe PIK). Aber auch wenn Jungmenschen noch keine PIK haben, können sie wie die Erwachsenen alles frei benutzen. Sie können sich also mit den öffentlichen Verkehrsmitteln frei bewegen, sich mit Nahrung und Kleidung im Norma und der Küfa versorgen und in den Kita’s (die heißen in Utopia auch bestimmt anders!), die für 24 h Betreuung sorgen, auch ein Dach über den Kopf finden. Damit werden praktisch den üblichen "Machtspielchen“ zwischen Eltern und Kindern der Boden entzogen… und damit sind wir schon beim Thema Schule.

Schule

Falls es bis zum 6. Lebensjahr wirklich noch kein Kind kapiert hat, dass es in unserer Gesellschaft um oben/unten und Macht geht - hauptsächlich vermittelt und transportiert durch Geld - der*die wird es spätestens durch die Schule erfahren. Denn mit der Schule, mit dem raffinierten System von verschiedenen Schultypen, Klassen und Notensystem werden wir voll auf die Fundamente dieser Gesellschaft programmiert. Von daher ist es auch nicht verwunderlich, dass es eine Schulpflicht gibt…

Aber was sagt denn der Schulabschluss aus? O.k., der*die Abiturent*in kann noch studieren, kann Doktor*in, Professor*in werden und hat (theoretisch) Zugang zu Berufsfeldern, die der*die Hauptschüler*in nicht hat. Aber kann der*die Abiturent*in jetzt Konflikte besser lösen? Ist er*sie jetzt empathischer, hat größere Liebesfähigkeit oder mehr soziale Kompetenz? Kann er*sie besser mit Kindern umgehen oder kann er*sie Liebesbeziehungen beenden ohne das übliche Hauen und Stechen oder den heimlichen fliegenden Wechsel? Sind Abiturenten*innen fairer, gerechter, solidarischer, ehrlicher oder hilfsbereiter als alle anderen mit „niederen“ Schulabschluss? Die Antwort auf alle Fragen ist doch wohl „nein!“ Denn es gibt kein Schulfach, dass uns diese Fähigkeiten lehrt; stattdessen müssen wir Wissen pauken, was heutzutage fast jedes Kind mittels Smartphone oder PC jederzeit abrufen kann.

Oder anders ausgedrückt: Was haben wir denn in der Schule außer Lesen und Schreiben noch gelernt, was wir heute gebrauchen können? Natürlich haben wir noch andere Sachen gelernt: wie mensch sich lieb Kind bei den Lehrer*innen machen kann, dass mensch bei den Prüfungen auch tricksen kann, sich aber nicht erwischen lassen darf, dass es auch innerhalb der Klasse eine soziale Rangordnung gibt und mensch um seine Position kämpfen muss, mensch aus der Gruppe gemoppt werden kann, wenn mensch nicht aufpasst und zu sehr aus dem Gruppenkonsens herausfällt.

Aber von den sogenannten Schulfächern… was können wir denn davon heute noch nutzen? Und selbst das Lesen und Schreiben…. hätten wir das nicht auch ohne Schule gelernt, genauso wie wir die verschiedenen Hobbies und Fähigkeiten lernten, die wir uns außerhalb der Schule beigebracht haben, weil wir es wollten und nicht mussten (z.B. Fahrradfahren, Autofahren, Computer bedienen, musizieren, die verschiedensten Sportarten erlernten etc.)

Dass wir (besonders durch die Schule) auf oben/unten, und Leistung/Versagen programmiert werden, hat aber massive Auswirkungen auf unsere Psyche: Wir können zwar via Internet mit allen Menschen auf dem Erdball jederzeit kommunizieren, Menschen betreten den Mond, wir können uns Bilder vom Mars angucken, Herzen werden verpflanzt, gentechnisch wird neues Leben hergestellt - der technische Fortschritt der letzten 50 Jahre ist atemberaubend - aber was ist mit unserer Psyche/dem Glücklichsein? Sind wir nicht beim Glücklichsein auf der Stufe der Neandertaler*innen stehen geblieben? Wenn Sie sich nicht sicher sind mit der Antwort, dann sehen Sie sich doch einfach mal die Zahlen der Selbstmorde, der psychischen Erkrankungen und der Süchte in den sogenannten hochentwickelten Ländern an!

Und was hat das Ganze mit Erziehung, Bildung und Schule zu tun? In Utopia ist es nicht das Ziel, „was Ordentliches zu werden“, lange im Berufsleben zu stehen, um dann seine*ihre verdiente Rente zu genießen, sondern das Ziel ist ganz einfach, immer glücklich zu sein. Wenn wir also den Begriff „Bildungsziel“ weiter beibehalten, können wir ganz einfach sagen: Oberstes Bildungsziel in Utopia ist es zu vermitteln, wie werde ich glücklich!

Das Wissen darum ist heutzutage kaum bekannt. Wir können zwar alle Lesen und Schreiben, wissen wie mensch sich eine warme Mahlzeit zubereitet, atmen automatisch etc. aber glücklich sein, wie geht das denn? Typisch für unsere Gesellschaft ist, dass sich auch kaum jemensch mit dieser Frage bzw. mit den Antworten beschäftigt, mal abgesehen von Bhutan (1) und einigen akademischen Spezialzirkeln. So habe ich zum Beispiel erst 2013 erfahren, dass es einen „Glücksforscher“ gibt. In einem Interview mit der Berliner Zeitung präsentierte der Psychologe Michael Eid die Ergebnisse seiner Forschung: „Positive soziale Beziehungen spielen aber eine ganz große Rolle. Menschen sind glücklich, wenn sie ihr Leben selbst gestalten können, Sinn im Leben finden, wenn sie ihre Stärken und Talente zum Blühen bringen können, wenn sie merken, dass sie sich als Person weiterentwickeln, wenn sie sich für Dinge engagieren, die ihnen am Herzen liegen. Und dann gibt es das situative Glück. Wenn man etwa ein schönes Geschenk bekommt, oder wenn man Dinge tut, die einfach Spaß machen…Menschen, die zu sehr auf das Materielle achten, sind weniger glücklich als jene, die mehr auf die Entfaltung ihrer menschlichen Bedürfnisse Wert legen… Allerdings ist die Zufriedenheit im Beruf eine wichtige Vorrausetzung für das Glück.“ (2)


1)das Köngreich Bhutan schrieb sich 2008 Bruttonationalglück in die Verfassung. „Bruttonationalglück ist wichtiger als Bruttoinlandsprodukt“, so der König, 2)Berliner Zeitung Nr.302, Seite 22 vom 28./29.12.13


Um diesen Zustand des Glücks möglichst oft zu erreichen und zu spüren beschäftigen sich die Utopianer_innen schon als Jungmenschen intensiv mit folgenden Fragen: Wie können Konflikte mit einer win/win- Situation gelöst werden? Wie entsteht Selbstbewusstsein? Welche Faktoren stärken mein Selbstwertgefühl, welche schwächen es? Was ist mit meinen Wünschen nach Anerkennung, Liebe, Geborgenheit, Intimität, Körperlichkeit, Verschmelzung, Individualität und Autonomie? Wie kann ich Positiv-denken lernen? Welche Rolle spielt Empathie und Solidarität im menschlichen Umgang? Wie werden diese Fähigkeiten erworben? Welche Fähigkeiten schlummern in mir? Wie kann ich sie erwecken und entfalten? Wo habe ich Ängste? Warum habe ich Ängste und wie kann ich diese abbauen oder wenigstens mildern? Wie werden Freundschaften gepflegt? Wie kann ich Kritik äußern ohne zu verletzen? Wie ist die physiologische Entwicklung vom Baby zum Greis? Wie spiegelt sich körperliches Empfinden in der Psyche wider und umgekehrt? Was ist Sexualität bzw. wie sieht eine befriedigende Sexualität für mich aus? Wie kann ich meine eigenen Bedürfnisse befriedigen ohne auf den Bedürfnissen meiner Mitmenschen herumzutrampeln? - Mediationstechniken, Gewaltfreie Kommunikation, Psychodrama, Radikale Therapie, Encountergruppen, Bioenergetik u.v.m. wird in Utopia nicht mehr länger Fremdwort sein, sondern alltägliche Praxis.

Was heute nur erlauchten und gut begüterten Kreisen möglich ist, sich nämlich mit diesen Fragen und Methoden zu beschäftigen, wird in Utopia so selbstverständlich sein wie jetzt Lesen und Schreiben. Oder anders ausgedrückt: Diese - für das individuelle Glück und das soziale Umgehen der Menschen - so wichtigen Fragen bzw. Antworten werden in Utopia Allgemeingut aller Menschen, so wie heute das Bedienen eines Smartphones oder PC’s.

Wie wird dieses Wissen vermittelt? Genauso wie jedes andere Wissen und Fähigkeiten auch. Durch Kurse, Seminare, Workshops, Rollenspiele, Übungen, Anleitungen mit entsprechenden didaktischen Hilfsmitteln wie Video, Computer etc. Der Unterschied zu heute ist aber, dass es dafür keine Institutionen gibt. Jede*r, der*die Wissen und Fähigkeiten weiter vermitteln will, stellt diese ins Netz. Dazu gehört natürlich auch, wie der*die Wissensvermittler*in das sich vorstellt; also welcher Ort ist geeignet, welche Vorrausetzungen sollen mitgebracht werden, Dauer des Kurses und was kann dann gelernt werden. Hintergrund dieses Models ist es, dass genauso wie jeder Mensch ein funkelnder Diamant ist, genauso hat jeder Mensch ein großes Reservoir an Wissen und Fähigkeiten, was er*sie anderen zur Verfügung stellen kann. Und wenn es kein oben und unten gibt, keine Konkurrenz und keinen Verwertungszwang, dann brauchen die Menschen auch nicht was anderes darzustellen als sie in Wirklichkeit sind; der Mitmensch wird nicht als Konkurrent*in gesehen, vor dem*der ich mich taktisch klug verhalten muss, sondern Wissen und Fähigkeiten weiterzugeben wird ein Quell von Freude und Zufriedenheit sein.

Aus dem Vorhergesagten geht hoffentlich klar hervor, was es in Utopia alles nicht mehr gibt: Schule, Schulpflicht, Schulabschlüsse, Noten, Klassen, Lehrer*innen und Schüler*innen, Studenten*innen, Universitäten, Hochschulen, Bildungsgrade wie Bachelor, Doktor*in, Professor*in etc.

Polizei/Strafverfolgung/Knast/Justiz

Die Kriminalität wird sich in Utopia radikal verändern. Bedenken Sie doch bitte wie viele der Straftaten hierzulande einfach nur „Bereicherungsdelikte“ sind. Egal, ob Raub, Diebstahl, Betrug, Fälschung, Erpressung, Geiselnahme, Menschenhandel, Zuhälterei, Hehlerei, die ganze Beschaffungskrimialität, teilweise sogar Morde… immer geht es doch bei diesen Taten darum, Geld bzw. viel Geld zu erwerben, um endlich mal so in Saus und Braus zu leben wie es einem*r nie gegönnt wird, aber „die oberen 10 000“ ständig vorleben. In Utopia gibt es aber nicht Menschen, die nichts arbeiten und in Saus und Braus leben und andere, die sich fast zu Tode schuften und gerade mal das Überleben für sich und ihre Familie sichern. In Utopia müssen alle ihre MAZ erbringen. Und die ist für alle gleich lang. Wer dann noch mehr „arbeiten“ will….bitte!

Unterschiede im materiellen Lebensstandard wird es auch in Utopia geben. Sie können aber niemals so krass wie heute sein. Und sie werden keine große Rolle mehr spielen. Denn wenn alle Grundbedürfnisse abgedeckt sind, mensch hingehen oder verreisen kann, wohin mensch will, es keine „oberen 10 000“ mehr gibt, wird ganz sicher das Streben nach materiellen Gütern nicht mehr die gleiche Bedeutung wie heute haben. Und warum soll ich mich dann noch fremden Eigentums bemächtigen?

Übrig bleiben dann nur noch die ganzen „Gefühlsdelikte“, also alle Sexualdelikte, Körperverletzung, Totschlag und Mord, die im Affekt oder Rausch begangen werden, wo aber nicht die Bereicherung das Motiv ist, sondern Eifersucht, Ehre oder andere Beziehungsgeschichten.

Auch bei diesem Teil der Straftaten, muss mensch sich natürlich fragen, wie viel davon noch in Utopia übrig bleibt, wenn das höchste Bildungsziel „glücklich sein“ ist und die Jungmenschen im frühesten Alter dies genauso wie Konfliktlösungsstrategien und Beziehungsführung lernen. Oder anders ausgedrückt: Es ist zu fragen, wie Menschen sich mit einem anderen Selbstwertgefühl (ich bin ein Juwel, ich bin etwas Besonderes, ich bin liebenswert) sich noch dermaßen bedroht fühlen können, dass sie z.B. den*die Nebenbuhler*in oder den*die eigene*n Liebespartner*in umbringen wollen.

Aber nichtsdestotrotz: Wie wird denn jetzt in Utopia mit Straftaten umgegangen? Fangen wir erst mal wieder bei der Sprache an: Strafe ist in Utopia ein Fremdwort. Weder im Umgang mit Kindern noch im Umgang mit „Straftäter*innen“ geht es ums Strafen. Der Strafgedanke ist vollends abgeschafft worden. Strafen ist anachronistisch und heutige Gefängnisse werden die Utopianer*innen belächeln wie wir das heute mit Pranger, Folter und Kerker aus dem Mittelalter machen.

Ja, aber was passiert denn nun z.B. bei einer Vergewaltigung? Es passiert der volle Schutz der betroffenen Person und die Gewähr, dass dieser Täter nicht noch einmal das Gleiche macht. Um dies zu erreichen sind zwei Möglichkeiten denkbar.

1. Die elektronische Fußfessel, die ja z.T. heute schon im Strafvollzug eingesetzt wird. Hierbei steht der Delinquent unter ständiger elektronischer Beobachtung einer Zentrale.

2. Wenn es heute schon möglich ist, vor Blitzern zu warnen, sich alle im Umkreis von 500 m liegenden Apotheken oder Freunde*innen anzeigen zu lassen etc., wird es natürlich auch möglich sein, sich elektronisch vor gefährlichen Personen in seiner Nähe warnen zu lassen. Wer bestimmt aber jetzt, wer oder ab welchem Zeitpunkt eine Person gefährlich ist? Ähnlich wie bei dem Thema Politik und Parteien so ist es auch hier. Es gibt keine Polizei oder Justiz und Rechtsprechung, da jede*r Utopianer*in das selbst ist, quasi Bestandteil dieser „Behörde“ ist oder wieder anders ausgedrückt jede*r bzw. alle Polizist*in oder Richter*in sind. Im Falle der Vergewaltigung z.B. zeigt die betroffene Person die Situation im Netz an. Wenn kein Widerspruch innerhalb einer Woche kommt, gilt der Täter danach automatisch als gefährliche Person und alle gefährdeten Personen in seiner Nähe bekommen eine entsprechende Warnung. Sollte es Widerspruch geben, gibt es einen virtuellen „Volksentscheid“.

Aber es muss nicht immer alles über das Internet entschieden werden. Nehmen Sie einen normalen Verkehrsunfall. Bei wie vielen waren wir schon Augenzeuge*in sind aber schnell weitergefahren, denn wir hatten es ja sehr eilig und Zeit ist Geld.... Und da es aber in Utopia kein Geld gibt, haben die Menschen viel Zeit und sind auch nicht so gestresst. Das heißt, um bei dem Beispiel zu bleiben, es sind jetzt vielleicht 5-6 Augenzeugen*innen da und die Unfallbeteiligten denken jetzt nicht an Bußgeld, Punkte, Gerichtsverfahren, Versicherungsprämien oder wie kann ich möglichst viel Kapital aus dem Unfall schlagen, sondern es geht jetzt ganz allein darum, wie der materielle Schaden wieder ausgeglichen werden kann sprich die Schäden am Fahrzeug und vielleicht der Kleidung repariert werden. Und wenn da alle Beteiligten und Augenzeugen*innen ihre Meinung dazu sagen, was meinen Sie, wie schnell da eine Lösung gefunden wird… ohne Polizei, Gutachter*in, Gerichte und sonstigem Bürokratismus.

Was ist aber bei Fahrerflucht, Mord, Totschlag oder Vergewaltigung, wo der*die Täter*in gar nicht erkannt werden konnte? Tatortsicherung, Spurensuche und Ermittlungen machen die Utopianer*innen selbst. Genanalyse und ähnliche Untersuchungen werden in den Laboren der Krankenhäuser und in den Forschungseinrichtungen gemacht.

Bedenken Sie bei den verschiedensten Szenarien bitte immer, die Utopianer*innen sind mit Gewaltfreier Kommunikation, Mediation und verschiedensten Konfliktlösungsstrategien gro8 geworden. Von klein auf ist die eigene Meinung gefragt. Diese Form der „Sozialisation“ hat natürlich Auswirkungen auf die Psyche. Während wir heute mehr in die Richtung denken, wer kann mein Problem lösen (Eltern, Steuerberater*in, Therapeut*in, Arzt/Ärztin etc. ) bzw. wem muss ich wie viel bezahlen, dass er*sie mein Problem löst und ansonsten „aus allem Raushalten“ die Devise ist, ist in Utopia immer die Frage, wie kann ich zur Lösung meines und der anderen ihrer Probleme beitragen.

Armee

Zum Kapitalismus gehört das Wachstumsprinzip wie das Salz zur Suppe. Und damit das Kapital sich ständig vermehren kann, gibt es 3 Strategien, die sich gegenseitig bedingen und teilweise parallel stattfinden:

⦁ Schaffung neuer Bedürfnisse: Hauptsächlich durch Werbung und Konkurrenz wird uns vermittelt, dass wir noch dies und das kaufen müssen, um dies oder das erreichen zu können.

⦁ Schaffung neuer Märkte: Geht’s auf dem einen Markt nicht mehr so richtig vorwärts mit der Kapitalverwertung, müssen neue Märkte erschlossen werden, so dass „Deutschland auch am Hindukusch verteidigt wird“ (ehemaliger Verteidigungsminister Peter Struck)

⦁ Kapitalvernichtung: Bis Kühlschränke, Autos, Möbel etc. von alleine kaputtgehen, dauert immer ein wenig. Ein Krieg ist daher aus kapitalistischer Sicht ein „Bomben“geschäft. Die gigantische Warenvernichtung schafft wieder Nachfrage nach neuen Gütern und Waffen….
Utopia unterliegt keinem Kapitalverwertungszwang. Es müssen keine Kriege mehr aus wirtschaftlichen Interessen geführt werden. Bleibt als Grund für das Aufrechterhalten einer Armee nur noch die Landesverteidigung übrig. Da es sich bei Utopia aber nicht nur um ein einzelnes Land handelt, sondern der Utopiabund vermutlich über die Hälfte der Menschheit repräsentiert, ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein einzelnes Notopialand den Utopiabund militärisch angreifen würde. Da das aber vermutlich mit der Gründung von Utopia noch nicht 100% auszuschließen ist, wird die Wehrhaftigkeit des Utopiaverbundes auf reine Selbstverteidigung heruntergefahren. „Humanitäre“ oder sogenannte Friedenseinsätze werden auch nicht mehr erfolgen, da das humanitäre und friedensstiftende Element von Utopia ist, allen Menschen die Möglichkeit zu geben, Utopianer*in zu werden.

Je mehr Länder dem Utopiabund beitreten, desto geringer wird die Gefahr eines militärischen Angriffes. Wenn es keine Notopialänder mehr gibt, wird es auch keine Waffen, Armeen und Militär mehr geben. Aber schon heute kann mensch sich die ungeheuren Kapazitäten vorstellen, die entstehen, wenn mensch das Militär sukzessive verkleinert.

Ganz abgesehen davon kann mensch sich auch fragen, ob die beste Verteidigung nicht eine gemeinsame Idee und die Solidarität ist, getreu dem Motto: „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm das will!“

 

 

Teil II - die Realisierung oder die praktische Umsetzung

Wie hoffentlich im ersten Kapitel ausführlich dargestellt und erörtert, handelt es sich bei Utopia um grundlegende Veränderungen der Gesellschaft und damit auch des einzelnen Menschen („Das Sein beeinflusst das Bewusstsein“, Marx). Grundlegende Veränderungen werden auch ganz gerne als Revolution bezeichnet. Von daher kann mensch die Entstehung von Utopia auch als Revolution bezeichnen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Revolutionen (Französische Revolution, Oktoberrevolution, Friedliche Revolution etc.) zeichnet sich diese Revolution durch 3 besondere Merkmale aus:

  • Die Revolution ist unblutig und gewaltfrei. Es werden keine Menschen getötet, verletzt, gefoltert oder gefangen genommen. Es wird nicht gebombt, geschossen, vergast oder sonstige Waffen eingesetzt.
  • Die Revolution ist nicht lokal begrenzt, umfasst nicht nur einen Staat, sondern ist global, umfasst quasi die ganze Welt.
  • Die Revolution kommt für niemensch überraschend. Alle Menschen wissen genau an welchem Zeitpunkt sie stattfindet. Der „Termin“ von Utopia ist sachlich begründet und logisch nachvollziehbar.   .

Die Verwirklichung von Utopia wird in einem 20-Jahresplan umgesetzt. Dieser besteht aus 3 Phasen: Vorbereitungsphase, Infophase und Umsetzungsphase

Die Vorbereitungsphase dauert ca. 2 Jahre, die Infophase ca. 8 Jahre und die Umsetzungsphase genau 10 Jahre.

Während der Übergang von der Vorbereitungsphase zur Infophase ein fließender ist und sich inhaltlich und zeitlich nicht genau festlegen lässt, ist das Ende der Infophase (Volksentscheid) und das Ende der Umsetzungsphase (Gründung von Utopia) zeitlich und inhaltlich genau festgelegt.

Die 3 Phasen sollen jetzt im folgenden näher beschrieben werden:

Vorbereitungsphase

Die Vorbereitungsphase hat mit der Publizierung dieses Buches begonnen. Sie dauert etwa 2 Jahre und hat - wie schon gesagt - einen fließenden Übergang zur Infophase. Das Ziel der Vorbereitungsphase ist es, alle Voraussetzungen für die Infophase zu schaffen. Dazu gehören folgende Arbeiten:

  • Internationale Kontakte knüpfen, da Utopia nur realisiert werden kann, wenn es ein internationales Projekt wird
  • Errichtung einer Website www.utopia-ist-machbar.de mit Blog und Plattform und der Onlinefassung dieses Buches
  • Übersetzung des Buches in alle Sprachen
  • Gründung einer Stiftung/gemeinnützigen Vereins oder einer anderen entsprechenden Rechtsform
  • Errichtung eines Kontos
  • Entwerfen und eventuell schon Produktion von Werbeartikeln mit dem Logo von Utopia wie Sticker, Basecups, T-Shirts, Kugelschreiber, Tassen etc.

Infophase

Sie ist die entscheidende Phase. Denn in der Infophase entscheidet es sich erst, ob es Utopia wirklich geben wird. Das Ziel der Infophase ist nämlich, dass am 11.9.2026 bei einem Volksentscheid möglichst alle oder wenigstens die überwiegende Mehrheit der Menschen in ihren jeweiligen Ländern für Utopia abstimmen. Gibt es diese Mehrheit in einem Land nicht, ist zumindest in diesem Land Utopia gescheitert. Wenn mehr als die Hälfte aller Länder Utopia ablehnen, muss das Modell Utopia insgesamt als gescheitert betrachtet werden.

Die Idee von Utopia soll überzeugen. Tut sie es nicht, ist entweder die Idee falsch oder der einzelne Mensch ist (noch) nicht dafür offen. Auf jeden Fall darf nicht versucht werden, Menschen zum Volksentscheid mit Druck oder manipulativen Tricks zur Stimmabgabe für Utopia zu bringen.

Aus diesem Grund ist die Infophase mit 8 Jahren relativ lang gewählt. Denn Utopia soll von den Menschen getragen werden, Utopia soll entstehen, weil es alle wollen, weil sie wissen und fühlen, dass es der beste Gesellschaftsentwurf ist, den es je gab und weil sie an die konkrete Umsetzung glauben.

Die Infophase besteht aus verschiedenen Säulen/Elementen, die sich aufeinander beziehen, quasi zusammengehören wie die Struktur eines Hauses.

Das Buch

Ähnlich wie die Bibel für Christen, der Koran für Moslems oder das Manifest/Kapital für Kommunisten ist das Buch die materialisierte Form der Idee von Utopia. Mensch kann es quasi auch als Verfassung betrachten. Will mensch also andere über Utopia informieren oder von diesem neuen Gesellschafts- und Lebensentwurf überzeugen, ist also die genaue Kenntnis des Buches notwendig.

Da es sich bei Utopia um eine weltumspannende Veränderung handelt, ist es natürlich essentiell, dass das Buch in jedem Land in der jeweiligen Landessprache verfügbar sein muss. Und da wir im 21. Jahrhundert leben, meine ich mit Buch natürlich nicht nur die Papierform sondern auch die ebook-Form.

Das Logo

Das kennen wir aus der Werbung. Ein Produkt spricht von sich, wenn es schon von weitem erkennbar ist. Zur massenhaften Verbreitung der Idee von Utopia gehört natürlich auch ein spezifisches Zeichen, wie es andere Bewegungen z.B. Anarcho*a, Hausbesetzer*innen, AKW, RAF, UNO, EU etc. auch haben oder hatten.

Das Logo von Utopia ist der Fäustekreis wie auf dem Buchcover. Es symbolisiert für mich auf plastischste Art die wesentlichen Elemente von Utopia:

Egal ob, klein oder groß, schwarz oder weiß, krank oder gesund, hässlich oder schön, gepflegt oder ungepflegt, Mann oder Frau oder alles dazwischen… alle kommen in ihrer Verschiedenartigkeit zusammen… bilden einen Kreis, einen durch die Fäuste kraftvollen Kreis, der ein gemeinsames Ziel umschließt. Und an den Fäusten ist zu erkennen, dass dieses Ziel nur durch eine „Sache“ erreicht wird: durch Menschen… wie Du und ich!

Die Werbeartikel

Das Logo kann natürlich von den verschiedensten Trägern „leuchten“, wobei der Fantasie keine Grenzen gesetzt werden (Fahne, Taschen, Sticker, Basecup, Mützen, Tassen und Gläser, Feuerzeuge, Kugelschreiber etc.). Und wer bringt die Werbeartikel unter das Volk? Die Botschafter_innen!

Die Botschafter*innen von Utopia

Eigentlich kann mensch sie auch Mitglieder von Utopia nennen. Aber Mitglied klingt so nach Verein mit Mitgliedsbeiträgen, Aufnahmeritual und Arbeitsstunden. Da ist der Begriff Utopianer*in oder Botschafter*in von Utopia schon besser. Denn diese Menschen haben eine Botschaft. Und die lautet: ich finde die Idee von Utopia gut und ich glaube an deren Realisierung und werde deshalb bei der Volksabstimmung für Utopia abstimmen. Und ich bekenne mich zu dieser Meinung öffentlich, indem ich mich namentlich in die online-Liste einlogge. Von daher kann jede*r Botschafter*in werden, der*die diese Meinung hat und sich auf der Botschafter*innenplattform von www.utopia-ist machbar.de namentlich einloggt.

Der Begriff Botschafter*in ist auch deshalb gut, weil ein*e Botschafter*in autorisiert ist; er*sie spricht für sein*ihr Land. Und so soll es auch mit den Botschafter*innen von Utopia sein. Sie sind autorisiert Werbeartikel zu beziehen oder zu produzieren und in jeglicher Form Öffentlichkeitsarbeit für Utopia zu machen wie z.B. Interviews, Teilnahme an Talk-Shows etc. Mit seiner*ihrer Botschafter*in-Nummer kann die Person bei allen Dingen, die Utopia betreffen, mitbestimmen, so auch z.B. bei der Gestaltung und Pflege der Website.

Die Webplattform

In Deutschland ist es www.utopia-ist-machbar.de. Jedes Land hat seine eigene Website. Diese nationalen Webseiten haben zwei wichtige Funktionen:

⦁ Information und Diskussion.

Wer es bisher noch nicht konnte, kann an dieser Stelle das Buch in der Landessprache lesen. Durch einen entsprechenden Blog können alle Interessierten Fragen stellen, Diskussionen anregen, Kritik und Verbesserungsvorschläge äußern.

⦁ Anwerbung von Botschafter*innen.

Durch eine online-Botschafter*in-Liste, wo durch das Einloggen jederzeit gesehen werden kann, wie sich die Idee von Utopia verbreitet, soll anderen Menschen Mut gemacht werden, sich daran zu beteiligen und auch Botschafter*in zu werden. Mit dem namentlichen Einloggen erhält das Mitglied vom Computer eine laufende Nummer, was dann seine*ihre Botschafter*in-Nummer ist. Und ähnlich wie jetzt schon bei online-Petitionen ist dann im Netz sofort sichtbar wie viele Personen in jedem einzelnen Land daran beteiligt sind und bei der Volksabstimmung mit „ja“ stimmen würden.

Die Öffentlichkeitsarbeit

Hier sind besonders die Botschafter*innen gefragt, die keine Angst vor Mikros und Kameras haben. Denn bei diesem Punkt denke ich an Interviews, Talk-Shows und Pressekonferenzen.

Teil dieser 8-jährigen Öffentlichkeitsarbeit ist es, nicht nur direkt die Idee von Utopia zu verbreiten und für die Volksabstimmung zu mobilisieren, sondern sich in aktuelle Konflikte einzumischen. Also egal, ob Finanzkrise, Flüchtlingsproblematik, Bürgerkrieg, Klimakatastrophe, Arbeitslosigkeit, Armut, Zwangsprostitution, Menschenhandel und, und, und…. Utopianer*innen sind immer dabei und transferieren die Idee von Utopia, in dem sie aufzeigen, warum es dieses spezielle Problem so nicht oder nicht in dieser Form in Utopia geben würde.

Utopia erfahrbar machen

Es gibt zwar diesen Satz: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“, aber dennoch lassen sich schon einige Elemente von Utopia in der Infophase praktizieren.
Dazu gehört als erstes die Mitentscheidung aller Utopianer*innen. Utopianer*in ist - wie schon gesagt - wer sich auf der Website als Botschafter*in einloggt. Schon in der Infophase kann dieses Prinzip von Utopia, jeder Mensch eine Stimme, angewendet werden, und deshalb ist es bei dem heutigen Stand der Computertechnologie auch kein Problem alle Fragen per Onlineabstimmung zu entscheiden.

Darin eingeschlossen ist, dass es unter den Utopianer*innen schon in der Infophase keine Hierarchie und unterschiedliche Machtverteilung gibt. Natürlich kann eine*r besser reden und argumentieren als der*die andere, natürlich ist der graphische Entwurf für einen Flyer nicht von jedem*r gleich gut… aber dennoch bleibt, für die Entscheidung zählt jede Stimme gleich viel.

Was sich nicht vermeiden lässt: Die Utopianer*innen müssen bis zur Entstehung von Utopia weiter mit Geld umgehen… (Spenden, Honorare und Kosten für Werbematerialien etc.) Es wird von daher Geldbewegungen aller Art geben, aber - da wird Utopia schon erfahrbar gemacht - alle Kontobewegungen sind transparent und öffentlich und alle Utopianer*innen können über die Verwendung der Gelder mitentscheiden.

Umsetzungsphase

Die 10 Jahre Umsetzungsphase beginnen mit dem erfolgreichen Volksentscheid am 11.9.2026 und enden mit der Gründung von Utopia am 1.1.2036. Das Datum des Volksentscheides bezieht sich natürlich auf den 11.9.2001. Dies war ein einschneidender Moment in der Menschheitsgeschichte, der die gesamte Welt bewegte… und das wird auch der Volksentscheid werden!

Die 10 Jahre der Umsetzungsphase lassen sich in 4 Zeitstufen unterteilen, wo spezifische Aufgaben erledigt werden müssen.

1 .Zeitstufe (2026-2029)

Schwerpunkt dieser Phase sind die internationalen Beziehungen. Denn mit dem Volksentscheid wird klar, welche Länder alle zum Utopiaverbund gehören und welche nicht.

Zu den Utopialändern ergibt sich folgendes Bild:

Hier ist eine verschärfte Zusammenarbeit angesagt, die sich aus gleichen Frage- und Problemstellungen quasi natürlich ergibt: Wie wird die Loslösung (ökonomisch und politisch) von den Notopialändern betrieben? Wie werden die eigenen Notopiagebiete geschaffen? Wie wird die PIK-Karte konkret aussehen? Wie wird die MAZ ausgerechnet?

Zu den Notopialändern ergibt sich dazu das entsprechende Gegenbild:

Hier wird perspektivisch, also zur Gründung von Utopia (2036) auf die Beendigung aller politischen und ökonomischen Verbindungen hingearbeitet. Entsprechend müssen die internationalen Verpflichtungen gekündigt werden und die Ökonomie langsam aber letztendlich ausschließlich auf die Utopialänder umgestellt werden.

Festlegung von Notopia

Es werden Vorschläge für die Notopiagebiete gesammelt, um am Ende aus drei Gebieten wieder mit einer Volksabstimmung die Entscheidung treffen zu können.

2. Zeitstufe (2029-2033)

Während natürlich die Arbeiten der ersten Phase immer noch anhalten, wird in dieser Phase schon konkret an der Chipkarte und den Berechnungen für die MAZ gearbeitet. Bis 2031 sollten außerdem in allen Utopialändern die Notopiagebiete feststehen, damit die Menschen genug Zeit haben, sich darauf einzustellen, eventuell „auszuwandern“. Ab 2031 werden dann in den Notopiagebieten keine über 2036 gehenden Investitionen mehr getätigt, sondern nur noch Maßnahmen, die zum Funktionieren bis 2036 nötig sind.

In dieser Zeitspanne geben auch alle, die nicht nach Notopia oder in die Notopialänder gehen wollen, ihren Antrag auf die PIK ab. Gleichzeitig damit geben die Utopianer*innen ihre Wunsch“arbeiten“ ein. Also bei einer MAZ von 10, 20 oder 30 Stunden pro Woche, was würde ich da am liebsten zu welchen Zeiten „arbeiten“. (z.B.: im Omnibus will ich Leute durch die Gegend kutschieren, möglichst im Zeitrahmen Mo-Fr. von 10.00-16.00 Uhr.)

Eigentümer*innen von mobilen Produktionsmitteln (Werkzeuge, Maschinen, LKW’s, Busse etc.) müssen sich entscheiden, ob mit der Gründung von Utopia, sie diese der Allgemeinheit zur Verfügung stellen oder nicht. Stellen Sie diese zur Verfügung werden entsprechende eigene Nutzungswünsche natürlich vorrangig berücksichtigt.

Weiterhin gehört zu dieser Phase, Netzspezialisten*innen unter den Utopianer*innen zu gewinnen, die das System gegen Hackerangriffe absichern; denn schließlich ist der ganze „Staat“, also das Funktionieren von Utopia - das komplette Gemeinwesen - auf eine funktionierende Netzstruktur angewiesen. Ein Ausschalten bzw. Sabotieren dieser Struktur würde katastrophale Folgen haben. Damit sind wir beim Thema Widerstand und Sabotage. Eine wichtige Frage in dieser Phase wird sein: Was denken die Befürworter*innen von Utopia, die ja in der Mehrheit sind, was passieren soll, wenn die Gegner*innen von Utopia das Ergebnis des Volksentscheides nicht akzeptieren? Wenn die quasi sagen, wir gehen nicht nach Notopia, wir haben zwar nicht die moralische Legitimation, aber wir haben mit Militär, Polizei, Justiz und Medien noch die Machtmittel den Tag X (1.1.2036), die Umwandlung der Gesellschaft zu Utopia zu verhindern?

3. Zeitstufe (2033-2036)

Zwischen 2033-2035 werden die Berechnungen und die Herstellung der PIK- Karte konkretisiert, so dass mit dem Beginn des Jahres 2035 in allen Utopialändern die MAZ feststeht und allen Utopianer*innen eine PIK-Karte ausgestellt werden kann. Selbstverständlich gehört dazu auch das entsprechende Trägerelement wie Smartphone oder ähnliches, wo die entsprechenden Auf-, Ablade- und Entscheidungsstrukturen ab 2036 mit vollzogen werden können. Mit der PIK- Karte erhält jeder Utopianer*in ein Guthaben von 2 Wochen MAZ.

Spätestens mit dem Beginn des Jahres 2035 wird natürlich mit den Vorbereitungen zur Gründungsfeier von Utopia begonnen. Denn das soll am 1.1.2036 ein so rauschendes Fest werden, wie die Welt das bisher noch nicht erlebt hat. Mit Recht auch, denn so eine qualitative Umwälzung gab es bisher ja auch noch nie….!!!!

4. Zeitstufe (1.1.-7.1.2036)

Das rauschende Fest soll in aller Deutlichkeit veranschaulichen, dass das Alte zu Ende ist, und endlich das neue System geboren wird, und dass dies ein riesiger Grund zur unbändigen Freude ist. Und damit auch alle mitfeiern können, gibt es erst mal eine Generalamnestie und alle Gefängnisse werden geschlossen bzw. anderen Zwecken zugeführt. Gleiches gilt für die ganzen Gebäude, die der Geldverwaltung dienten wie Finanzämter, Banken und Börse. Aber mit der neuen Gesellschaftsform werden natürlich auch noch andere Gebäude wie Kasernen, Polizeistationen und Gerichte überflüssig. Die entsprechenden Schilder und Symbole werden entfernt und landen im Feuer. Das wird außerdem genährt von den ganzen Banknoten, Aktien, Wertpapieren und Sparbüchern. Und die ganzen Waffen… was sich nicht zum Feuerwerk verwenden lässt, wird eingeschmolzen, ebenso wie die Münzen und Goldbestände… und jede*r Utopianer*in erhält aus dieser geformten Masse eine Souvenir als Erinnerung an dieses Fest.

Und es wird viele Feuer, Feuerwerke und Schmelzöfen geben…

Nachwehen (2036-ca.2046)

In dieser Phase wird sich vermutlich im Laufe der Zeit herausstellen, dass die Gefahr eines militärischen Angriffes der Notopialänder immer unwahrscheinlicher wird. Entsprechend wird sukzessive das Militär abgebaut bis es irgendwann kein Militär und keine Waffen mehr in Utopia gibt.

Mit dem 1.1.2036 ist das Recht auf ein Dach über dem Kopf sprich Wohnung verwirklicht, d.h., kein Mensch muss obdachlos sein, Miete, Pacht oder ähnliches mehr zahlen. Dennoch gibt es natürlich Unterschiede, weil es nur die allerwenigsten im jetzigen System noch schaffen werden, sich ihre Traumwohnung/Haus zu kaufen. Von daher wird es vermutlich ein Gefälle geben von Menschen, die mit der Lage, Größe und Beschaffenheit ihrer Wohnung sehr zufrieden sind und andere nicht.

Deswegen wird diese Phase dazu dienen in konstruktiven Diskussionen herauszufinden, was in Utopia dann Standardgröße und Standardausrüstung einer Wohnung sein soll und mit GAZ errichtet und erhalten bleibt und was Luxus ist und mit PAZ abgegolten werden muss.


Kritische Schlussbemerkung

Big Brother is watching you

Utopia – das ist doch mittels der PIK eine Gesellschaftsform der totalen Kontrolle. Fast alle Lebensäußerungen sind durchschaubar quasi öffentlich. In Utopia wird der gläserne Mensch geschaffen!

Wem diese Vorstellung einen Schauder über den Rücken jagt, möchte ich aber fragen: Was ist denn die Situation heute? Es ist doch bekannt, dass die Geheimdienste unseren Telefon- und Mailverkehr überwachen. Es ist bekannt, dass sich daraus ganz einfach Bewegungsprofile erstellen lassen. Nicht bekannt ist, wer was genau alles mit unseren Daten von Facebook, Twitter, Kreditkarte, Krankenkasse etc. macht. D.h., wir werden heute schon umfassend erfasst und kontrolliert; allerdings ist das nicht ein Big Brother sondern die verschiedensten – uns zum Teil unbekannten – Interessengruppen.

Ist es da nicht - ganz platt gefragt - besser, wenn alle alles sehen können wie in Utopia, wo die ganze Datensammlung transparent ist, wo jede*r seine*ihre Daten und die der Mitmenschen im Netz ansehen kann? Ich muss mich doch nur schämen, wenn ich der einzige Nackte unter den Angezogenen bin oder aus dem Verborgenen heimlich beim Ausziehen beobachtet werde.

Wenn vielleicht trotzdem noch ein ungutes Gefühl bestehen bleibt, bedenken Sie bitte immer den Hintergrund. Die PIK steht für ein humanes Gesellschaftssystem, wo jeder einzelne Mensch und nicht das Geld im Mittelpunkt steht. - Und von daher dienen gesammelte und gespeicherte Daten ausschließlich der Verbesserung des Lebens und nicht den Profitinteressen einzelner Konzerne.(1)


1)In diesem Zusammenhang ist auch der Zeitungsartikel der Berliner Zeitung vom 19.8.15 höchst aufschlussreich. Unter der Überschrift „Ein System totaler Kontrolle“ berichtet die Zeitung folgendes: „Der weltweit größte Online-Händler Amazon hat die Überwachung seiner Belegschaft in den neun deutschen Verteil-Zentren offenbar in bisher unbekannter Weise perfektioniert. Nach Darstellung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ist die Kontrolle durch das Management umfassend. Jeder Arbeitsschritt sei nachvollziehbar, jede Verzögerung werde registriert, jeder Leistungsabfall könne Konsequenzen haben…(…) Möglich ist die nahezu lückenlose Leistungskontrolle der mehr als 10 000 fest angestellten Amazonmitarbeiter durch Scanner, die das wichtigste Arbeitsmittel in den Warenlagern sind und wie Fahrtenschreiber jeden Schritt aufzeichnen können.(….) In einem internen Schriftstück, das dieser Zeitung vorliegt, ist von einem Mitarbeiter die Rede, der „in der Zeit von 7:27 bis 7:36 inaktiv gewesen“ sei“.


Erstens kommt es anders.. zweitens als man denkt…

Dieses Buch bildet ein geschlossenes System, in dem quasi schon jetzt feststeht wie die Gesellschaft im Jahre 2036 aussieht und wie die einzelnen Schritte dahin ablaufen. Dieser feste Zeitplan und viele Begriffe und Bedeutungen (PIK, MAZ, Norma etc.) lösen bestimmt bei vielen Menschen Befremden aus (gerade Ex-DDR-ler*innen dürften mit ihren Erinnerungen an die 5-Jahrespläne dabei mulmige Gefühle bekommen).

Das Leben ist ein ständiger Fluss, es ist dynamisch und der Mensch ist keine Maschine, die programmiert werden kann oder wie der Volksmund sagt: „Erstens kommt es anders… zweitens als man denkt…“ Es ist z.B. ohne weiteres denkbar, dass in einigen Jahren sowas wie die PIK in Form einer Scheckkarte ähnlich anachronistisch ist wie heute stationäre Telefone mit Kabel und Wählscheibe. Zugangskontrollen, Bezahlen, Abschluss von Verträgen… dies wird vielleicht alles einmal per elektronischen Fingerabdruck oder genetischen Code abgewickelt werden.

Von daher dient dieser starre Rahmen lediglich als roter Faden, als Kompass, der zum Ziel führen soll.

Der Mensch ist böse…

Was für die Tiere gilt - Fressen oder gefressen werden - gilt auch für den Menschen. Der Mensch strebt nach Macht; er will nach oben und andere unter sich haben/beherrschen. Das hat mit Geld oder einem kapitalistischen System nichts zu tun. Das gab’s schon immer in der Menschheitsgeschichte und wird es auch weiter geben, da es quasi in der Natur des Menschen liegt.

Wer so Utopia in Frage stellt, dem*der möchte ich folgendes erwidern:

- es galt mal als „natürlich“, dass die Erde eine Scheibe ist.

- dank des technischen Fortschrittes ist es klar, dass die Grundbedürfnisse des Lebens für die ganze Weltbevölkerung in sozialer Eintracht und Frieden zu befriedigen sind, so dass es keinen „Kampf ums Dasein“ geben muss.

- noch nie in der Menschheitsgeschichte war so eine weltumfassende Information und Kommunikation wie heute möglich.

Wer will, dass die Welt so bleibt wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt (Erich Fried)

In der hiesigen Politik, egal wo oder von wem, kann ich keinen roten Faden erkennen, der auf eine humane, globale Gesellschaftordnung zielt. Ist es denn nicht so, dass es an allen Ecken der Welt brennt; mal als Schwelbrand, mal als Flächenbrand? Und Brand meint hier nicht immer Bomben und Krieg, sondern auch Hunger, Armut, wachsende Schere zwischen Arm und Reich, Umweltzerstörung, Amok, Terrorismus, psychische Verelendung, Verrohung und ähnliches.

Und was macht die Politik und die Wirtschaft? Ist das nicht nur ein hilfloses Herumdümpeln an Symptomen? Hier mal ein Tröpfchen, da mal ein Eimer Wasser, aber kein Löschen des Feuers? Wirken die ganzen Maßnahmen zur Regulierung des entfesselten oder durchgestarteten Kapitalismus nicht geradezu lächerlich… so als wenn das Schaf den Wolf überreden wollte, Vegetarier zu werden?
Utopia - so wie hier dargestellt - bietet m. E. einen ernsten Versuch einer neuen Gesellschaft von Wohlstand, Frieden, sozialer Gerechtigkeit und individuellem Glück für alle.

Es kann die Lösung sein - und davon bin ich überzeugt - es ist auch realisierbar! Realisiert werden kann Utopia natürlich nur, wenn möglichst viele Menschen den Faden aufnehmen und an Utopia mitstricken. Und von daher fordere ich alle Menschen auf, die nicht wollen, dass die Welt zugrunde geht:

Strick mit an Utopia!

Sei Teil einer neuen, besseren Welt!

Beteilige dich im Forum

MACHE MIT !!!!!!!!!!!!!!!!


Anhang – Fragenkatalog 

Staatsform

Wie heißt die? 36
Gibt es politische Vertreter*innen, Parteien, Regierungen? 34, 35
Gibt es noch Staaten? 5, 37, 38, 96, 103, 104
Wie wird mensch Staatsbürger*in? 63, 64
Wie wird entschieden, was ,wann produziert wird? 39
Der Mensch ist nicht nur edel, hilfreich und gut; er ist auch dumm, egoistisch und böse! 112, 113
Was passiert mit Faulen, die nicht arbeiten wollen?
23, 37, 62-64
Wenn es keine Geldstrafe gibt, was dann? 86-89
Gibt es Gesetze, Gesetzbuch, Gerichte, Polizei, Knäste, Elektronische Fußfessel? 85-89
Wie wird die Verteilung des materiellen Wohlstandes geregelt? 67-68
Wie wird mit psychisch Kranken oder Sexualtätern umgegangen? 72, 86-89
Wie ist die Altersversorgung? 5-17, 41-42, 76-77
Wie ist die Kranken- und Invaliditätsversorgung?41-42
Was ist mit Kitas, Schulen, Universitäten? 10-12, 75-84
Zählt Ausbildung als Arbeit? 40, 59
Kinderbetreuung/Erziehung und Hausarbeit – ist das anrechenbar? 75-84

Geld

Wie kommt mensch an Konsumgütern oder Dienstleistungen ran, wenn es kein Geld gibt? 22-23, 70
Wie wird meine Arbeit entlohnt? 12, 14, 22, 23,48-61
Wie verändert sich der soziale Status? 24-26, 29-33
Was ist, wenn es kein „arm“ und „reich“ mehr gibt und wie wirkt sich das auf die menschliche Psyche aus? 24-26, 29-33
Was ist mit Spielsucht, Zocken, Wetten, Lotto, Schnäppchenjäger*innen, wer wird Millionär*in, wenn es kein Geld zu gewinnen gibt? 53-55
Was ist mit sozialen Sicherungssystemen wie Hartz IV, Kindergeld, Wohngeld, Arbeitslosengeld, Rente, Pension, Bafög? 42
Ist nicht die Gefahr, dass die Zeit das neue Geld/Währung ist, wo genauso Kredit, Handel und Vermehrung betrieben werden kann und damit eine Schere zwischen arm und reich entsteht? 53-55

Eigentum

Gibt es Eigentum? Wenn ja an was? 67-68, 85-86
Was ist mit Wohnungen und Häusern? Muss Miete bezahlt werden an Hausbesitzer*innen? 67-68, 109
Was ist mit den Produktionsmitteln wie Fabriken, Elektrzitäts- und Wasserwerke? 67-68, 105
Gibt es GmbH’s, Konzerne, Aktiengesellschaften etc.? 67-68, 105

Chipkarte

Ab welchem Alter kriegt mensch die? 11,63
Wie wird sie beantragt und wo/bei wem? 63, 105
Was ist darauf gespeichert? 62
Ist die übertragbar, d.h., kann sie von anderen zum Reisen, Einkaufen etc. benutzt werden? 9, 62
Was passiert bei Verlust? 63
Wie funktioniert das Aufladen und „Bezahlen“?
9, 12, 62-63

Realisierung

Wie soll die Umsetzung funktionieren? 93-94
Gibt es verschiedene Phasen der Umsetzung? 94-108
Ist das eine nationale Sache? 38, 46, 96
Wann soll die Realisierung anfangen und wann soll
sie beendet sein? 23, 107
Was wird als Endpunkt/Ziel angesehen bzw. wann, ab welchem Punkt gibt es Utopia? 107
Was ist mit den Menschen, die bei diesem System nicht mitmachen wollen, nicht in Utopia leben wollen? 28, 37
Wie viele Länder müssen mitmachen, dass es funktioniert? 95-96
Ist eine Gleichzeitigkeit aller Länder notwendig? 96
Kann mensch noch in die anderen Länder reisen, die eventuell nicht mitmachen? 38
Wie wird der Güteraustausch mit diesen Ländern geregelt? 47
Ist Utopia abgeschottet oder können Menschen aus den Geldländern nach Utopia kommen? 6, 38
Wenn ja, wie funktioniert das? 9, 64

 

Über den Autor


1954 in Berlin geboren als erstes von 6 Kindern. Abitur, LKW- und Taxifahrer, Studium der Sozialpädagogik, mehrere Jahre als Sozialarbeiter in Berliner Drogenberatungsstelle tätig, Kinderbetreuer bei Ferienfahrten, Schulbus- und Omnibusfahrer, Stadtführer in Berlin und Potsdam
P. Lucas ist ledig und hat eine erwachsene Tochter. Hobbys: Theater, diverse Karten- und Brettspiele, Kickern, Tischtenniss und Joggen.
Bisherige Publikationen: „Die Kinderfalle“ und „Berliner Schnauze- Stadtrundfahrten“